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Isabel Atzinger
  • Isabel Atzinger

Leinsamen ein Wundermittel oder gefährlicher Futterzusatz für Pferde?

Leinsamen ist den meisten Reitern und Pferdebesitzern ein Begriff. Die kleinen braunen Samen scheinen zum Teil als Wunderwaffe eingesetzt zu werden. Aber man weiß auch, dass Leinsamen Blausäure enthält, die ja als Gift bekannt ist. Sollte man Leinsamen füttern und wenn ja, in welcher Form?

Leinsamen ein Wundermittel oder gefährlicher Futterzusatz für Pferde?

Leinsamen als Superfood für Pferde

Leinsamen sind kleine braune Samen, die durch ihre Vielfalt an wertvollen Inhaltsstoffen mit positiver Auswirkung auf Fell, Haut, Verdauung und Immunsystem als Superfood gelten. Besonders ist der hohe Gehalt an Fett, der bei Leinsamen über 40% liegt. Das Fett wiederum besteht wiederum zu 80-90% aus ungesättigten Fettsäuren. Die enthalten Alpha-Linolensäure (40-60%) wird im Pferdekörper zum Teil in Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexensäure (DHA) umgewandelt. Die gebildete Eicosapentaensäure (EPA) ist wiederum grundlegend für die Bildung des Hormons Prostaglandin 3, welches eine entzündungshemmende Wirkung hat.

Aber auch Eiweiß ist in den kleinen Samen vorhanden und setzt sich vor allem aus den essentiellen Aminosäuren Lysin, Threonin, Tryptophan zusammen. Nebenbei enthält Leinsamen auch Selen, Vitamine, Nicotin-, Fol- und Pantothensäure.

Jeder der Leinsamen schon mal aufgekocht hat, weiß aber auch, dass Leinsamen einen besonders hohen Schleimgehalt aufweisen. Durch diesen Schleimgehalt werden Leinsamen auch gerne bei Magen- und Darmproblemen eingesetzt. Die enthaltenen Schleimstoffe können nämlich die Schleimhaut von Magen und Darm schützen bzw. unterstützen. Der Schutz des Darms ist vor allem im Dünndarm gegeben, Da der Leinsamen aber bereits im Dünndarm verdaut wird, ist die bindenden Wirkung von Wasser im Dickdarm nicht mehr gegeben.

 

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Blausäure was nun?

Neben all diesen tollen Eigenschaften sind im Leinsamen allerdings auch blausäurehaltige Glykoside enthalten. Aber wie funktioniert das mit der Blausäure? Blausäure ist in Linamarin enthalten und wird in feuchtem Milieu durch das Enzym LInase abgespaltet und dadurch stoßweise freigegeben. Das ist der Prozess, vor dem wir eigentlich alle Sorge haben. Das Abkochen wird empfohlen, weil dadurch das Enzym Linase inaktiviert wird und eine stoßweise Freisetzung verhindert wird.

Da Leinsamen auf ein Gramm etwa 0,2 mg Blausäure enthält, und für ein adultes Pferd etwa 4 mg Blausäure auf je 100 kg Lebendmasse als tödlich gelten, müsste ein ausgewachsenes Pferd mehrere kg Leinsamen zu sich nehmen. Da dies völlig unrealistische Futtermengen an Leinsamen sind, sollte man bei der Fütterung von ganzem Leinsamen also nicht allzu große Angst haben. Selbst Prof. Dr. med. vet. Manfred Coenen empfiehlt in seinem Buch von 100-120 g ungekochten Leinsamen bei einem adulten Pferd.

In welcher Form soll Leinsamen gefüttert werden?

Wie bereits erwähnt entweder ungekocht, geschrotet oder abgekocht. Bei ungekochter Verfütterung sollte man bedenken, dass bei unzureichendem Kauvorgang die Samen eventuell nicht zermahlen werden und nicht gänzlich verdaut werden können, wodurch wertvolle Inhaltstoffe verloren gehen. Allerdings ist dies in der Regel bei erwachsenen Pferden, eingemischt in das normale Krippenfutter meist kein Problem. Setzt man die Samen in geschroteter Form ein, sollte man bedenken, dass das enthaltene Öl sehr rasch ranzig und damit ungenießbar wird. Daher sollte Leinsamen am besten frisch geschrotet werden, und wenn geschrotet kühl und trocken gelagert werden. Abgekocht, sollte der Leinsamen erst abkühlen, bevor er unter das Futter gemischt wird, weil sonst Verbrühungsgefahr besteht. Neben der Verfütterung des Samens an sich bietet sich auch die Fütterung von Leinöl und Leinsaatrückständen aus der Ölgewinnung wie Leinkuchen bzw. Leinextraktionsschrot entscheidende Vorteile für unsere Pferde.

Zusammengefasst können wir die Fütterung von Leinsamen durchwegs empfehlen. Es ist eine sinnvolle Ergänzung am Futterplan und kann besonders während des Fellwechsels, bei Magengeschwüren und Kolikpatienten seine positiven Eigenschaften zeigen. Die Fütterung von Leinöl, macht aber vor allem auch dann Sinn, wenn zusätzliche Energie benötigt wird, aber keine zusätzliche Stärke zugeführt werden soll. Aber das ist dann wieder ein neues Thema für unseren Blog…

(Quelle: „Pferdefütterung“, 2014, Coenen, Meyer, S. 137-138; Moderne Pferde Fütterung, Weyrauch-Wiegand, 2011, S. 61)