Pferdegewicht berechnen – ohne Waage, mit Bandmaß

Du willst wissen, was dein Pferd wiegt – ohne mobile Pferdewaage, ohne Schätzen? Miss dein Pferd an sechs Stellen mit einem Bandmaß aus und berechne das Gewicht direkt hier. Dein Pferd sollte dabei auf ebenem Untergrund geschlossen stehen und alle vier Beine gleichmäßig belasten. Wenn du sauber misst, ist die Abweichung im Mittel bei 18 kg.

So misst du dein Pferd

Pferdegewicht berechnen mit dem Bandmaß: nummerierte Messpunkte am Pferd – Hals-, Körper-, Widerrist-, Röhrbein-, Brustumfang und Fessel-Ellbogen-Maß

Die einzelnen Messanleitungen findest du direkt bei den Eingabefeldern.

Maßband parallel zur Schulter anlegen und den Umfang messen.

Von der Mitte des Brustbeines nach hinten bis zur Mitte des Schweifes messen. Mal zwei rechnen, um von der Körperlänge auf den Körperumfang zu schließen.

Vom Boden, gerade nach oben bis zum Widerrist messen. Achtung: hier wird das Bandmaß, nicht das Stockmaß verwendet.

An der schmalsten Stelle des Röhrbeins rundherum gemessen.

Knapp hinter dem Widerrist das Maßband anlegen und entlang der Gurtlage, knapp hinter der Schulter messen.

Vom Ellbogenhöcker gerade hinunter, bis zur Mitte des Fesselkopfes.

Quelle der Berechnungsformel: Kienzle & Schramme (2004)

Video-Anleitung: So legst du das Maßband richtig an

Wenn du sehen willst, wie das Maßband an den einzelnen Messpunkten sitzt, schau dir unsere Video-Anleitung an. Gerade beim Körperumfang und beim Fessel-Ellbogen-Maß hilft es, den Ablauf einmal gesehen zu haben.

Das Video wird erst geladen, wenn du es startest. Dabei werden Daten an YouTube (Google) übertragen.

Zur Video-Anleitung auf YouTube

Warum du das Gewicht deines Pferdes kennen solltest

Das Körpergewicht ist die Bezugsgröße für praktisch jede Fütterungsentscheidung. Du musst schließlich wissen, ob dein Pferd zu dünn oder zu dick ist, oder gerade richtig. Außerdem richten sich Fütterungsempfehlungen stets nach dem Körpergewicht des Pferdes.

Raufuttermenge richtig bemessen

Die Orientierungsgröße für die Raufutterversorgung liegt bei einem Richtwert von ca. 2 kg Heu je 100 kg Körpergewicht pro Tag. Ein 600-kg-Pferd braucht also rund 12 kg Heu täglich. Die Untergrenze liegt bei 1,5 kg je 100 kg – darunter sollte die Ration nicht fallen. Bei einem nur leicht gearbeiteten Pferd gilt dauerhaft deutlich mehr als der Richtwert als Überversorgung: Dann setzt es Fett an.

Mineralfutter und Ergänzungsfutter korrekt dosieren

Fütterungsempfehlungen auf Ergänzungsfuttermitteln beziehen sich fast immer auf 100 kg Körpergewicht. Wer das Gewicht zu niedrig ansetzt, unterversorgt sein Pferd bei Spurenelementen und Aminosäuren. Wer zu hoch ansetzt, füttert an der Ration vorbei.

Gewichtsveränderungen früh erkennen

Ein Pferd kann über Monate schleichend zunehmen oder abnehmen, ohne dass es im Stallalltag auffällt – du siehst es ja täglich. Wer alle zwei bis vier Wochen misst und die Werte notiert, erkennt Veränderungen deutlich früher als mit bloßem Auge. Das ist besonders bei stoffwechselempfindlichen Pferden relevant.

Wurmkuren und Medikamente

Die Dosierung von Entwurmungsmitteln richtet sich nach dem Körpergewicht. Eine grobe Schätzung führt hier schnell zu Unter- oder Überdosierung.

Pferdegewicht berechnen ohne Waage: Welche Methoden gibt es?

Die Sechs-Maße-Berechnung (hier auf dieser Seite)

Diese Methode berücksichtigt Halsumfang, Körperumfang, Widerristhöhe im Bandmaß, Röhrbeinumfang, Brustumfang und das Fessel-Ellbogen-Maß. Weil sie mehrere Körperregionen einbezieht, bildet sie unterschiedliche Körperbautypen deutlich besser ab als Formeln mit nur zwei Werten. Bei sauberer Messung liegt die Abweichung im Mittel bei rund 18 kg. Leider kommt auch diese Berechnung an ihre Grenzen – für Ponys, Kaltblüter und Fohlen ist diese Berechnungsmethode leider nicht ausreichend validiert. In diesen Fällen sollte ein Experte den Gewichtszustand zusätzlich beurteilen.

Formeln mit Brustumfang und Körperlänge

Verbreitet ist die Formel nach Carroll und Huntington: Brustumfang (cm) × Brustumfang (cm) × Körperlänge (cm) ÷ 11.877 = Gewicht in kg. Sie ist schnell, aber gröber – die Abweichungen sind höher als bei der Sechs-Maße-Berechnung. Wie auch die vorhergehende Methode ist diese Berechnung für Ponys, Kaltblüter und Fohlen nicht ausreichend genau.

Gewichtsmaßband

Ein Gewichtsmaßband liest das Gewicht direkt aus dem Brustumfang ab. Das ist die schnellste, aber auch ungenaueste Variante. Für einen groben Verlaufsvergleich reicht es; als Grundlage für eine Rationsberechnung ist es zu unscharf.

Mobile Pferdewaage

Das Wiegen auf einer geeichten Waage bleibt die genaueste Methode. Mobile Pferdewaagen sind allerdings nicht überall verfügbar und mit Kosten verbunden. Für den regelmäßigen Verlauf ist die Berechnung mit dem Bandmaß die praktikablere Lösung.

Gewicht allein reicht nicht – der Body Condition Score

Zwei Pferde mit identischem Gewicht können völlig unterschiedlich ernährt sein: Das eine trägt Muskulatur, das andere Fettdepots. Die Zahl auf dem Rechner sagt nichts darüber aus, wie sich dieses Gewicht zusammensetzt.

Deshalb gehört zur Gewichtsbestimmung immer auch die Beurteilung des Ernährungszustands – über Abtasten von Rippen, Mähnenkamm, Schulterbereich und Schweifansatz. Der Body Condition Score bewertet diese Regionen systematisch. In Kombination ergeben Gewicht und BCS ein belastbares Bild.

Typische Fehler beim Ausmessen

  • Ungünstiger Stand: Ein Pferd, das ein Hinterbein entlastet oder auf abschüssigem Boden steht, verfälscht besonders Widerristhöhe und Fessel-Ellbogen-Maß.
  • Falsche Bandspannung: Das Maßband soll anliegen, nicht einschneiden. Zu straff gezogen fehlen schnell mehrere Zentimeter Brustumfang – und damit Kilos im Ergebnis.
  • Aufgeblasener Brustkorb: Manche Pferde spannen an, sobald das Band an der Gurtlage liegt. Kurz warten, bis das Pferd entspannt ausatmet, dann ablesen.
  • Wechselnde Messpunkte: Für Verlaufsvergleiche zählt vor allem, dass du immer an derselben Stelle misst. Sonst vergleichst du Messfehler statt Gewichtsentwicklung.
  • Allein messen: Zu zweit geht es schneller, ruhiger und genauer.

Vom Gewicht zur passenden Ration

Das berechnete Gewicht ist der Startpunkt, nicht das Ergebnis. Was dein Pferd tatsächlich braucht, hängt zusätzlich von Alter, Arbeitsleistung, Haltungsform, Rasse, Stoffwechsellage und vor allem von der Qualität deines Grundfutters ab. Erst wenn diese Faktoren zusammenkommen, lässt sich der Nährstoffbedarf nach den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) berechnen und daraus eine passende Ration zusammenstellen.

Genau das machen wir bei Carevallo: Wir schauen uns dein Pferd, seine Haltung und seine Grundfutterversorgung im Detail an und stellen die Ration darauf abgestimmt zusammen – statt mit Standardmengen zu arbeiten. Eine bedarfsgerechte Ration wird auf das Idealgewicht hin abgestimmt. D.h. neben dem aktuellen Gewicht deines Pferdes ist es wichtig, das Optimalgewicht zu kennen. Nur so kannst du darauf hinarbeiten. Im Rahmen unserer Futterberatung berechnen wir auch das Optimalgewicht und beraten dich umfassend.

Zur Futterberatung bei Carevallo

Häufige Fragen zum Pferdegewicht