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Isabel Atzinger
  • Isabel Atzinger

Macht ein Mineralleckstein für mein Pferd Sinn?

Die Auswahl an Minerallecksteinen für Pferde ist groß, wenn auch nicht ganz so groß wie für Leckerlis und Pferdefutter. Dienen Minerallecksteine als sinnvolle Ergänzung in der Pferdefütterung? Können sie den täglichen Nährstoffbedarf eines Pferdes decken? Auf diese und andere Fragestellungen rund ums Thema Mineral-Leckstein gehen wir in diesem Blog genauer ein.

Macht ein Mineralleckstein für mein Pferd Sinn?

Was ist ein Mineral-Leckstein?

Minerallecksteine werden in der Regel entweder in Form gepresst und sind als Zylinder oder Würfel erhältlich, oder werden in sogenannte Leckschalen (Müslischalen) gegossen und härten aus. Die gepressten Lecksteine verfügen in der Regel über ein Loch in der Mitte des Lecksteines, damit sie auf herkömmlichen Lecksteinhaltern oder mittels Schnur befestigt werden können. Die Lecksteine bestehen aus Mineralstoffen und anderen Zutaten wie Melasse, Kräuter oder auch ätherischen Ölen.

Wie finde ich den richtigen Mineralleckstein für mein Pferd?

Man erhält sie in verschiedenen Farben wie weiß, grau, beige, rot und sogar blau. Nach der Farbe solltest du den Leckstein aber nicht auswählen. Der Unterschied liegt im Detail, nämlich in der Zusammensetzung. Zum Teil enthalten sie Mengen- und Spurenelemente, zum Teil auch einzelne Vitamine, aber auch ätherische Öle und Kräuter werden eingesetzt. Daher lohnt sich ein Blick auf das Etikett allemal um zu erfahren was tatsächlich drinnen ist. Allerdings fällt beim Stöbern auf, dass nicht immer alle Angaben online verfügbar sind und es gar nicht so leicht ist zu erfahren, was tatsächlich enthalten ist. Das Fehlen der Informationen macht es schlichtweg unmöglich zu beurteilen ob der Leckstein für mein Pferd geeignet ist oder nicht. Wenn die Angaben vorhanden sind, sollte man sich die Mengenangaben zu den einzelnen Inhaltsstoffen ansehen und für die Beurteilung verwenden.

Warum eine Bedarfsdeckung an Nährstoffen nicht möglich ist

Ich habe für euch online recherchiert und mich durch verschiedenste Leckstein-Angebot geklickt. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Gehalt an Mengen- und Spurenelementen oft stark variiert. Vitamine sind selten enthalten. Ich habe mir zur Veranschaulichung die Werte dreier unterschiedlicher Lecksteine notiert: Leckstein 1 enthält in einem kg rund 0,75 mg Selen und 14,5 mg Zink Leckstein 2 enthält in einem kg rund 7,5 mg Selen und 145 mg Zink Leckstein 3 enthält in einem kg rund 10 mg Selen und 290 mg Zink Ein Pferd mit 630 kg Körpergewicht einer Widerristhöhe von 1,70 m, im Offenstall lebend und täglicher leichter Arbeit benötigt beispielsweise täglich 1,26 mg Selen, 503 mg Zink. Möchte man nun den Bedarf über die Bereitstellung des Minerallecksteines decken, müsste das Pferd folgende Mengen zu sich nehmen: Beim ersten Leckstein müsste es über einen kg lecken, beim 2. immerhin über 100 g und bei letzterem auch gut 100 g. Die Lecksteine haben häufig 3 kg Gesamtmasse. Nun kann man sich vorstellen, welche Mengen das Pferd schlecken müsste, damit der Bedarf gedeckt wird. Eine Deckung des Bedarfs ist daher unrealistisch. Bei diesem Beispiel haben wir bewusst den Gehalt von Selen und Zink, der im Heu oder Gras vorhanden ist, weg gelassen um es zu vereinfachen. Korrekterweise gehören aber selbstverständlich auch diese berücksichtigt, wenn man sein Pferd bedarfsgerecht versorgen möchte.

Mineralstoffe in anorganischer Form finden Verwendung

Bei den von mir recherchierten Lecksteinen waren die enthaltenen Spurenelemente durchwegs in anorganischer Form vorhanden. Was wiederum den günstigen Preis rechtfertigt. Denn je hochwertiger die Rohstoffe, desto teurer der Einkauf. Organisch gebundene Mineralstoffe weisen jedoch eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit auf, weshalb sie zu bevorzugen wären.

Mythos - "Das Pferd weiß was es benötigt und entscheidet selbst"

Immer wieder liest und hört man, dass Pferde doch nach ihrem Instinkt agieren und schon selbst wissen, wovon sie wann wieviel benötigen. Doch unsere Hauspferde haben kaum mehr die Möglichkeit, sich aus einer großen Auswahl an Kräutern, Gräsern etc. zu suchen, was sie gerade brauchen. Sie fressen, was wir ihnen bereitstellen. Und bei einem Mineralleckstein, kann es auch schlecht sagen, ich möchte nur Zink, sondern nimmt die Mineralstoffe in der vorgegebenen Mischung zu sich. Geleckt werden die Lecksteine wohl auch nicht weil Mineralstoffe so lecker schmecken, sondern wegen des hohen Gehalts an Melasse und Glucose oder andere Zuckerarten die in den meisten Lecksteinen enthalten sind. Nicht umsonst wird Melasse häufig als erster Inhaltsstoff bei der Zusammensetzung angeführt – das sagt nämlich aus, wovon am meisten enthalten ist. Aber nicht nur Melasse sondern auch ätherische Öle sind oftmals enthalten und sollen das Pferd zum schlecken anregen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Salz-Leckstein und einem Mineral-Leckstein?

Wie der Name schon sagt, enthalten Salzlecksteine in erster Linie Salz. Sie werden entweder als Brocken abgebaut oder gepresst. Mineral-Lecksteine verfügen hingegen über eine vielseitigere Zusammensetzung. Mehr dazu liest du weiter oben in diesem Blogartikel.

Mein Fazit zur Verwendung von Minerallecksteinen in der Pferdehaltung

Wer sein Pferd bedarfsgerecht versorgen möchte, wird mit einem Mineralleckstein leider nicht zum Ziel kommen. Es empfiehlt sich eine bedarfsorientierte Mischung an Vitalstoffen über das Krippenfutter zu füttern. Dadurch kann man gezielt auf die Bedürfnisse des Pferdes eingehen und hat die Menge, die es täglich zu sich nimmt, unter Kontrolle. Die einzige Ausnahme, bei der ich die Bereitstellung von Mineral-Lecksteinen bejahe, ist die Anwendung über die Sommermonate wenn die Pferde auf Almen, Weiden kommen, auf denen eine tägliche Fütterung aus der Krippe nicht möglich ist. Aber auch da, sollte nicht irgendein Leckstein gekauft werden, sondern genau darauf geachtet werden, welche Nährstoffe enthalten sind und in welchen Mengen. Zudem muss eine Beobachtung erfolgen, ob die Pferde abwechselnd lecken oder einzelne Pferde zu stark daran lecken. Denn auch ein zu intensives Lecken, könnte auf Dauer Probleme verursachen.