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Isabel Atzinger
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Geophagie - Mein Pferd frisst Erde

Hilfe mein Pferd frisst Erde! Vielleicht hast du beobachtet, dass dein Pferd Erde schleckt. Ich erkläre dir, wo die Ursachen liegen könnten und wie du dein Pferd unterstützen kannst.

Geophagie - Mein Pferd frisst Erde

Der fachliche Begriff für die Aufnahme von Erde durch Lebewesen sprich Tiere, aber auch Menschen bezeichnet man als Geophagie. Das bedeutet, das Phänomen des Erde aufnehmens, besteht auch bei anderen Tierarten als auch bei Wildpferden und eben unseren domestizierten Pferden. Beobachtet wurde die Aufnahme von Erde vor allem im Frühjahr  - egal ob beim Wildpferd oder Hauspferd. 

Mögliche Ursachen für Geophagie

Die Ursachen für das Verhalten können vielfältig sein, die Untersuchungen ergaben jedoch, dass es oftmals mit der Aufnahme von Mineralien zu tun hat. Dadurch kam man auch in weiterer Folge auf die Vermutung, dass ein Mineralstoffmangel bei den entsprechenden Tieren vorliegt. Eine andere Annahme sieht die positive Wirkung der Erde auf den Verdauungstrakt im Vordergrund. Denn wurch Gesteinsmehle können bekanntlich Gitftstoffe und Abfallstoffe leichter abtranspotiert und ausgeschieden werden. Den Verdauungstrakt betreffend könnte die Aufnahme von Erde außerdem bei der Entsäuerung sowie Regulierung von Magen-Darm-Störungen unterstützen. Studien sagen der Erde unter anderem auch antibiotische Wirkung bei Durchfallerkrankungen sowie eine Wirkung gegen Pilze und Endoparasiten zu. 
Langeweile und Bewegungsmangel werden nicht als Ursache gesehen, da auch Pferde im Offenstall davon betroffen sind. 

Das Pferd wählt seine Leckstelle bewusst aus

Die Stelle von der das Pferd Erde aufnimmt, ist wohl gewählt, wobei bspw. der Tongehalt starkt variiert und man keine eindeutigen Erkenntnisse zu den Eigenschaften der Erde gewinnen konnte. Allerdings ließ sich feststellen, dass meist ein Gehalt einzelner oder mehrerer Mineralien in dem Boden der Leckstelle erhöht sind. Außerdem mögen Pferde feuchte Leckstellen

Ein Mineralstoffmangel trotz Fütterung von Mineralfutter

Kann ein Pferd bei Versorgung mit Mineralfutter überhaupt an einem Mineralstoffmangel leiden? Die Antwort lautet ganz klar "JA". Ein Pferd nimmt Mineralien über den Dünn- und Dickdarm auf. Allerdings kann es zwischen Mineralien zu Wechselwirkungen kommen, welche wiederum die Aufnahme der einzelnen Stoffe beinflussen kann. Neben den Wechselwirkungen kommt es aber vor allem auch auf die Bioverfügbarkeit der Verbindung in der der Mineralstoff vorliegt an. ZInkoxid kann bspw. vom Pferd kaum aufgenommen werden. Zinksulfat und Zinkchelat können hingegen gut aufgenommen werden und können damit auch den Status des Spurenelements im Blut beeinflussen. Leider ist in den am Markt erhältlichen Futtermitteln immer noch sehr oft Zinkoxid enthalten, weil es preislich am günstigsten ist. Daher achte bei der Wahl eines Mineralfuttermittels stets darauf, in welcher Form die Mineralstoffe enthalten sind. 

Der Mineralstoffmangel an sich wird als sehr häufige Ursache gesehen, wobei man hier beachten muss, dass es sich oftmals um ein temporäres Defizit handelt oder das Pferd sogar zur Vorbeugung schleckt. Schwitzt das Pferd stark, kann es bspw. kurzfristig zu einem Mangel an Mineralstoffen kommen. Bei der nächsten Mineralstoffgabe wäre der Bedarf aber wieder gesichert. Das Pferd schleckt trotzdem.  

Am häufigsten wurden Mängel an Natrium und Zink beim Pferd beobachtet. Aber auch Eisen- und Kupfermängel konnten beobachtet werden. Ein Hinweis - bei hohen Calciumaufnahmen kann die ZInkaufnahme gehemmt werden, weshalb man alle Futtermittel bei der Ursachenforschung miteinbeziehen sollte - auch das Wasser! 

 

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Die Gefahr des Erde fressen beim Pferd

Eine Gefahr in der Aufnahme von Erde besteht darin, dass die Böden Schwermetalle, Giftstoffe und Parasiten enthalten können. Außerdem fördert eine hohe Aufnahme an Erde/Sand sogenannte Sandkoliken

Wie kannst du dein Pferd unterstützen

Wenn du beobachtet hast, dass dein Pferd regelmäßig und intensiv an der Erde leckt, ja vl. sogar hineinbeißt, solltest du das Verhalten auf alle Fälle weiter beobachten. Du solltest überlegen ob es Probleme in der Verdauung gibt, ob dein Pferd Giftpflanzen zu sich genommen hat? Vielleicht braucht es Unterstützung in der Verdauung? Oder aber, es möchte seinen Nährstoffbedarf decken? Beginne mit der Ursachenforschung. Hierzu ist es sinnvoll ein Blutbild erstellen zu lassen und dieses sorgfältig auszuwerten. Nicht nur in Hinblick auf Mängel oder Überversorgung sondern auch in Betracht möglicher Zusammenhänge zwischen Mineralstoffen. Außerdem solltest du deine Futtermittel im Stall auf die Verbindungsart der Mineralstoffe überprüfen. Am besten wäre es, wenn alle Mineralstoffe in organisch gebundener Form (bspw. Chelate) vorliegen würden. Anorganisch gebundenen Mineralstoffe können deutlich schlechter bis kaum aufgenommen werden und belasten den Stoffwechsel deines Pferdes unnötig, führen schneller zu einem Mangel. Nun kannst du die Ration deines Pferdes seinem Bedarf entsprechen optimieren. Berücksichtige dabei Faktoren wie Bewegung, Fellwechsel, etc. 

Wenn du Hilfe bei der optimalen Rationsgestaltung deines Pferdes benötigts, kannst du dich gerne an mich wenden. Ich bin geprüfte Ernährungsberaterin für Pferde und Gründerin von Carevallo und erstelle auch für dein Pferd gerne einen bedarfsgerechten Ernährungspan. Gerne kannst du mich kontaktieren oder dich auf unserer Website informieren

Abschließend ist zu erwähnen, dass es nur wenige Untersuchungen gibt, sodass keine eindeutigen Aussagen für die Ursache und Behandlung getroffen werden kann. Wenn auch beim einzelnen Pferd die oben beschriebenen Ursachen durchaus zutreffend sein können. 

 

 

Quelle: Geophagie bei Pferden, 2016, Patricia Bauderer, Universität Hohenheim; Pferdefütterung, 2019, Manfred Coenen, Ingrid Vervuert, Thieme;