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Isabel Atzinger
  • Isabel Atzinger

Strategische versus selektive Entwurmung beim Pferd

Dieser Blogbeitrag informiert dich über die Möglichkeiten der Entwurmung deines Pferdes, zeigt dir Vor- und Nachteile und worauf du unbedingt achten solltest.

Strategische versus selektive Entwurmung beim Pferd

Es gilt zwischen der strategischen Entwurmung und der selektiven (zeitgemäßen) Entwurmung zu unterscheiden.

Unter der strategischen Entwurmung versteht man die Gabe von Entwurmungsmitteln nach einem strategisch geplanten Zeitablauf – bspw. die viermal jährliche Entwurmung, des gesamten Bestandes. Diese Art der Entwurmung wird seit Jahrzenten praktiziert und ist gerade deshalb für viele Pferdebetriebe schwer wegzudenken. Zudem ist der Ablauf denkbar einfach – die Wurmkuren werden beim Tierarzt gekauft und schon wird jedem Pferd die geschätzte Menge oral verabreicht. Eine Untersuchung der Tiere und Festellung des Gesundheitszustandes erfolgt in den meisten Fällen wohl eher nicht. Dabei sollte man nicht vergessen, dass es sich um die Verabreichung eines Medikamentes handelt – nicht mehr und nicht weniger. Die Zweckmäßigkeit aber auch Nebenwirkungen werden selten hinterfragt.

Die selektive Entwurmung hingegen hat zum Ziel, nur dann zu entwurmen, wenn ein Wurmbefall besteht. Darüber hinaus stellt die selektive Entwurmung aber auch eine Langzeit-Dokumentation über den gesamten Pferdebestand eines Betriebes dar. Pferde die als sogenannte Hochausscheider von Wurmeiern gelten und diese wenig bis gar nicht selbst bekämpfen können, werden identifiziert und können dementsprechend behandelt werden. Zudem kann durch gezielten Einsatz der Wurmkur der Pferdeorganismus, aber auch die Umwelt geschont werden und Resistenzen der Würmer minimiert werden. Wendet man das selektive Verfahren an, sollte 14 Tage nach Entwurmung eine erneute Kotprobe in das Labor geschickt und überprüft werden. Bei der Mc Master Methode werden dann die Eier pro Gramm Kot (EpG) vor und nach der Entwurmung miteinander verglichen und somit die Wirksamkeit der Entwurmung überprüft (bei Strongyliden und Spulwürmern).

Der Kostenpunkt bei strategischer und selektiver Entwurmung wird aufgrund des Aufwands und der mehrmaligen Kotuntersuchungen durch ein zertifiziertes Labor in etwa derselbe sein.

Große Strongyliden oder auch Blutwurm

Sie werden 0,5 – 5 cm groß und gelangen über Larven auf der Weide in den Pferdekörper. Sie wandern über das Blut in die großen Darmgefäße und leben als Erwachsene in der Schleimhaut von Blind- und Dickdarm. Dadurch können sie zu Gefäßentzündungen, Thrombosen, oder auch Koliken führen. In Österreich und Deutschland kommen sie nur noch selten vor, allerdings wird beobachtet, dass Importpferde immer wieder von Blutwürmern befallen sind. Nachgewiesen werden können sie über eine Kotuntersuchung mit Larvenanzucht oder einer Überprüfung der Darmzellen. Bei Nachweis des Blutwurms bei einem Pferd wird die Entwurmung des ganzen Bestandes empfohlen.

Kleine Strongyliden oder auch Palisadenwürmer

Diese Würmer werden auch zwischen 0,5 und 5 cm groß, eine Infektion holt sich das Pferd auch hier über die Aufnahme von Eiern/Larven auf der Pferdeweide oder aus dem Boden. Die Larven setzen sich teilweise in die Darmwand, ausgewachsen verweilen sie teilweise in der Darmschleimhaut. Das kann wiederum zu Darmentzündungen, Durchfall, Koliken, Abmagerung bis hin zu Leistungsschwäche führen. Kleine Strongyliden sind nur über das Mikroskop im Pferdemist erkennbar. Wenn sich diese allerdings in der Schleimhaut eingenistet haben, sind unter Umständen im Pferdemist keine Eier festzustellen, obwohl ein Wurmbefall besteht. Bei Befall macht auch die Behandlung einzelner Tiere Sinn.

Spulwürmer

Spulwürmer werden 15 – 50 cm lang und treten überwiegend bei Jungtieren auf, da die Ausbildung zur geschlechtsreife der Würmer bei einem erwachsenen Pferd durch volle Immunität gestoppt wird. Spulwürmer wandern als Larven über das Blut, in die Leber hin zur Lungen und in den Darm. Währenddessen bilden sie sich zu Würmern weiter. Aufgenommen werden sie als Larven beim Fressen auf Weiden, aber auch abseits von Weidegang. Die Symptome bei einem Wurmbefall durch Spulwürmer können vielseitig sein – Darmverschluss, Darmentzündungen, Husten, Durchfall, Koliken aber auch Nährstoffmängel.

Bandwurm

Der Bandwurm ist wohl jedem Reiter ein Begriff, was aber die wenigsten wissen ist, dass er nur über die Moosmilbe aufgenommen wird. Kommt ein Pferd also nicht in Berührung mit Moosmilben (die nicht auf jeder Weide vorkommen), besteht auch kaum ein Risiko ein Wirt für den Bandwurm zu werden. Grundsätzlich sind Pferde die kein Grünfutter bekommen daher bandwurmfrei. Der Wurm ist 2,5 – 4 cm groß. Nachweisen kann man ihn über die Kotprobe mittels eines kombinierten Sedimentations-Flotationsverfahren – das häufigste angewendete Verfahren nennt sich McMaster. Da Bandwürmer allerdings nicht dauerhaft Eier ausscheiden, kann ein Befall durch eine einmalige Kotprobe nicht sicher festgestellt werden. Eine wiederkehrende Überprüfung des Pferdemists müsste vorgenommen werden. Symptome treten beim Bandwurm nicht zwangsläufig auf, allerdings können Verdauungsstörungen, Durchfall und Koliken den Befall nach außen anzeigen. Besteht ein Befall wird seitens Tierärzten empfohlen, des gesamten Bestand zu behandeln. Idealerweise behandelt man Pferde nach der Weidesaison mit Auftreten des ersten Frosts gegen Bandwürmer. Da dann die Infektionsgefahr nicht mehr besteht.

Behandlung bei Wurmbefall:

Wird bei Auswertung des Pferdemists ein Wurmbefall festgestellt, muss anschließend der richtige Wirkstoff gewählt werden, um den Befall zu beseitigen. Nachfolgend ein kleiner Überblick über Wurmarten und die entsprechenden Wirkstoffe.

Gegen den großen und kleinen Strongyliden wirken folgende Wirkstoffe: Benzimidazole, Pyrantelembonat sowie makrozyklische Laktone zu denen Ivermectin und Moxidectin zählen. Resistenzen sind vermehrt bei den kleinen Strongyliden vorzufinden, wohingegen Resistenzen bei großen Strongyliden seltener sind. Wurmkuren die Ivermectin enthalten sind bspw. Eraquell, Equimax, Ivomec, Virbamec, Animec (dies ist keine vollständige Liste, es gibt weitere Präparate). Moxidectin ist bspw. in Equest, Zermex, Equimoxectin und Cydectin enthalten. Liegt ein Befall an Bandwürmern vor, sollte eine Wurmkur mit dem Wirkstoff Praziquantel eingesetzt werden. Spulwürmer werden mit Ivermectin, Benzimidazole oder Pyrantel gekämpft. Wobei vermehrt Resistenzen gegen Ivermectin zu verzeichnen sind.

Die Liste der oben angeführten Wurmarten ist nicht vollständig. Es gibt bspw. auch Lungenwürmer und Magendasseln. Um einen Befall überhaupt zu vermeiden, raten wir zu fortlaufendem Weidemanagement. Soll heißen, dass die Koppeln und Weiden regelmäßig abgemistet werden sollten.

Schlussfolgerung

Wie erläutert sind nicht alle Endoparasiten im Pferdemist feststellbar, weshalb eine einmal jährliche Sicherheits-Entwurmung zu empfehlen ist. Wird öfter (strategisch) entwurmt, sollte man darauf achten, die Wirkstoffe zu wechseln und maximal 2-mal im Jahr mit Makrozyklischen Laktonen also Ivermectin und Moxidectin zu entwurmen. Eine selektive Entwurmung macht nicht nur aus Berücksichtigung der Belastung unserer Pferde absolut Sinn, sondern auch, weil sich Resistenzen bei den Würmern bilden. Diese Resistenzen sind deshalb so dramatisch, weil aktuell kein neuer Wirkstoff in Aussicht ist und ein auf den Markt bringen solcher Wirkstoffe in der Regel etwa 10 Jahre dauert.

Vermutlich wird es aber nicht jedem möglich sein, eine selektive Entwurmung durchzuführen. Gerade wenn man Einsteller ist und die Entwurmung vom Stallbetreiber vorgeschrieben wird. Dennoch kann man durch Aufklärung eventuell erwirken, dass die Entwurmung anstatt viermal jährlich nach vorweisen einer negativen Kotuntersuchung für nicht befallene Pferde nur zweimal jährlich Pflicht ist. Zudem kann eine Abwechslung bei den Wirkstoffen eine Möglichkeit sein, die Wurmkurgabe weiter zu optimieren.

(Quelle: „ESCCAP Guideline 08, 2019; https://wurmtest.at/zse/wurmkunde/; http://www.entwurmungpferd.de/kotprobe-pferd/;)

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