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Isabel Atzinger
  • Isabel Atzinger

Cushing Pferd richtig füttern

DIagnose Cushing - was nun? Ich erkläre dir, was eine Diagnose Cushing beim Pferd bedeutet und was das sogenannte Equine Cushing oder auch Pituitary Pars intermedia Dysfunction kurz PPID in deinem Pferd bewirkt. Du erhältst Tipps wie du dein Cushing Pferd richtig fütterst.

Cushing Pferd richtig füttern

Betroffen sind Pferde jeden Alters, wobei überwiegend Pferde über 15 Jahren betroffen sind. Etwa mehr als 20% aller Pferde ab 15 Jahren leiden nämlich an Cushing.

Kurz zur Erklärung der Begrifflichkeiten – früher wurde es Equines Cushing-Syndrom genannt, heute spricht man von Pituitary Pars intermedia Dysfunction (PPID).  Die Cushing Symptome haben ihren Ursprung im Gehirn des Pferdes, genauer gesagt im Hypothalamus und der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Wichtig ist es zwischen zwei möglichen Ursachen zu differenzieren.

Bei Equinem Cushing Syndrom sorgt eine gutartige, tumoröse Zubildung der Hirnanhangdrüse zu einer übermäßigen Produktion von ACTH.

Bei PPID hingegen handelt es sich um eine funktionelle Störung der Pars intermedia (= Zwischenlappen der Hypophyse). Ursache dafür ist vermutlich der Verlust von Nervenzellen im Hypothalamus, wodurch die Freisetzung des Botenstoffes Dopamin im Hypothalamus drastisch reduziert wird. Es führt zu einer funktionellen Störung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) des Pferdes. Dadurch produziert diese übermäßig viel ACTH. Diese Variante kommt weitaus häufiger vor, als die Variante mit dem Tumor. 

Das Hormon ACTH veranlasst wiederum die Nebennierenrinde zu einer vermehrten Freisetzung des Stresshormons Cortisol. Das hormonelle Gleichgewicht ist nicht mehr im Lot, die Cushing typischen Symptome entstehen - es handelt sich um eine Stoffwechselerkrankung.

Der Unterschied liegt also darin, ob ein Pferd diese tumörse Zubildung hat oder nicht. Diese Diagnose kann nur sicher über ein MRT gestellt werden. Die Symptome sind allerdings dieselben, daher gehen wir nachfolgend im Blogartikel auch weiter auf die allgemeine Symptomatik und eine mögliche Therapie ein, nicht aber weiter auf die Unterschiede der Ursachen.  

Symptome beim Cushing Pferd

Das wohl bekannteste Symptom ist das lange, gelockte Haarkleid der sogenannte Hirsutismus. Auch im Fellwechsel tun sich die Pferde schwer und haben daher auch oft im Sommer noch dichtes „Winterfell“. Ebenso sind die Pferde oft anfällig für Hauterkrankungen sowie Infektionen. Aber auch wiederkehrende Hufreheschübe, Muskelatrophie (= Muskelschwund), Gewichtsverlust sowie Polyurie (= sehr häufiges Urnieren) können zu den Symptomen zählen. Aber auch ein krankhaft erhöhter Blutzucker (= Hyperglykämie) sowie  Insulinspiegel (= Hyperinsulinämie) zählen zu den Symptomen. Läsionen im Maul können ebenso ein Anzeichen für Cushing sein.

Bitte beachte, dass dein Pferd nicht gleich an Cushing leidet, wenn es eines dieser Symptome aufweist. Leider werden immer wieder ältere Pferde mit schlechtem Fellwechsel und langem Deckhaar, als Cushing Patienten behandelt, obwohl sie nicht an dieser Erkrankung leiden. Aufgrund der Nebenwirkungen des in der Behandlung angewendeten Medikamentes, sollte aber erst eine genaue Diagnose gestellt werden.

Die Heilung von Equinem Cushing Syndrom ist nicht möglich, die Pferde können aber therapiert und damit Symptome gelindert werden.

Wie kann Cushing beim Pferd diagnostiziert werden?

Ob ein Tumor vorliegt oder nicht, kann nur mittels MRT erhoben werden. In der Regel erfolgt die Diagnose über einen ACTH-Test. Damit das Testergebnis allerdings auch aussagekräftig ist, muss das abgenommene Blut zentrifugiert und innerhalb von 20 Minuten nach Abnahme tiefgefroren werden. Innerhalb von 24 Stunden muss die Probe tiefgefroren im Labor eintreffen. Wurde die Probe richtig genommen, solltest du dennoch wissen, dass der ACTH Wert auch beim gesunden Pferd schwankt. Daher ist ein einmaliger ACTH Test nicht ausreichend um Cushing zu diagnostizieren. Besonders zu beachten gilt es jedoch, dass von Mitte November und Mitte Juli andere Referenzwerte gelten, als im restlichen Jahr. Neben dem ACTH Wert gibt es weitere Blutwerte, die Hinweis auf eine mögliche Cushing Erkrankung geben können. Möchte man eine sichere Diagnose erhalten empfehlen Labore, den ACTH-Test zu verschiedenen Uhrzeiten zu wiederholen bzw. auf einen TRH-Stimulationstest oder einen Overnight-Dexamethason-Suppressionstest zurückzugreifen. Auf diese Tests möchte ich nicht weiter eingehen, weil dich dein Tierarzt sicher gerne eingehend darüber aufklärt.

Wird nur der ACTH Wert berücksichtigt, kann es leider schnell zu Fehldiagnosen führen. Denn der ACTH Gehalt schwankt wie bereits erwähnt auch beim gesunden Pferd und steigt bspw. auch bei Stress an. Stress kann eine Anhängerfahrt sein, Unruhe in der Herde, Stress beim Training, Schmerzen (bspw. bei Hufrehe) usw.

Wie kannst du dein Cushing Pferd richtig füttern?

Du solltest auf eine ausreichende Zufuhr von Rohfaser achten und Fett sowie Proteine nur dann einsetzen, wenn sie tatsächlich auch benötigt werden. Eine bedarfsgerechte Versorgung ist demnach Grundlage einer optimierten Fütterung beim Cushing Pferd. (Abgesehen davon ist eine bedarfsgerechte Fütterung auch die beste Vorbeugung, damit ein Pferd nicht an einer Stoffwechselerkrankung erkrankt.)

Für übergewichtige Pferde die an Cushing erkrankt sind, gilt es eine energierestriktive Diät einzuhalten. Achte darauf, dass das Pferd nicht mehr Energie zu sich nimmt, als es tatsächlich benötigt – auch bei der Raufuttergabe. Gerade bei Kleinpferden, kann es durch die Rationierung des Raufutters zu längeren Fresspausen kommen. Entgegenwirken kannst du indem du dir hochwertiges Futterstroh besorgst und das Heu durch Stroh ergänzt. Dadurch kannst du den Energie- und Proteingehalt niedrig halten während du die Fresszeiten verlängerst.

Hingegen bei Pferden mit Gewichts- und Muskelverlust, sollte die Energiezufuhr optimiert werden. Hierfür  verwenden wir vor allem Futtermittel die einen hohen fett- und proteingehalt aufweisen, aber einen geringen Zuckergehalt und Stärkegehalt. Ein Beispiel hierfür ist BIO Sojakuchen aus Österreich, den wir sehr gerne einsetzen.

Insbesondere bei auftretenden Reheschüben, einer Hyperglykämie oder Hyperinsulinämie solltest du Pferdefutter ohne Zucker und ohne Getreide bevorzugen. Dazu zählen neben Pferdemüsli mit Zucker auch Gras sowie Getreidearten. Daher ist in den meisten Fällen auf Weidegang zu verzichten. Anderenfalls riskiert man Hufreheschübe.

Um das Immunsystem deines Pferdes zu unterstützen solltest du vor allem auf eine bedarfsgerechte Versorgung mit natürlichem Vitamin E und Selen sowie Vitamin C achten. Natürliche Vitamin C Lieferanten sind Hagebutte und Petersilie. Wir verwenden in unseren Futtermischungen bevorzugt getrocknete Hagebuttenschalen, da in den Schalen der höchste Vitamin C Anteil zu finden ist. Wie wir wissen sind ungesättigte Fettsäuren wichtig, da sie entzündungshemmend wirken können – sie sind enthalten in Leinsamen und Schwarzkümmel. Allerdings nützt es natürlich wenig, einzelne VItalstoffe zu ergänzen, wenn es an anderer Stelle fehlt, achte daher auf eine bedarfsgerechte Versorgung aller Mineralstoffe und Vitamine. 

Wie bei vielen anderen Symptomen und Krankheiten gibt es auch in der Phytotherapie erfolgreiche Ansätze zur Therapie von Cushing Pferden. Allerdings möchte ich wie immer darauf hinweisen, dass Pferde sehr unterschiedlich auf Heilkräuter reagieren können und daher die individuelle Auswahl eines Krautes für das jeweilige Pferd entscheidend sein kann. Womöglich hast du bereits von der Fütterung von Mönchspfeffer gehört. Die Studiengrundlage dazu ist leider sehr unterschiedlich in ihren Aussagen, sodass man auch bei diesem Kraut nicht zu 100% von Erfolg ausgehen kann. Aus diesem Grund empfehle ich den Einsatz von Mönchspfeffer vorher mit deinem Tierarzt, Tierheilpraktiker und/oder Ernährungsberater abzustimmen.  Selbstverständlich können bei Cushing auch weitere Kräuter zur Unterstützung der Entgiftungsorgane (Brennnessel, Mariendistel, Löwenzahnwurzel,...), zur Stärkung von Herz-Kreislauf (Weißdorn) oder gegen Müdigkeit (Ginsengwurzel) eingesetzt werden. 

Gewohnheit ist das A und O für Cushing Pferde

Der Verdauungstrakt von Pferden benötigt mehrere Tage um sich auf neue Situationen einzustellen. Daher ist eine Regelmäßigkeit in der Pferdefütterung für jedes Pferd zu empfehlen. Bei Pferden die an Cushing leiden, ist es aber umso wichtiger tägliche Abläufe in der Haltung und Fütterung beizubehalten. Denn rasche Veränderungen bedeuten Stress und wie wir wissen, bedeutet Stress wiederum eine erhöhte ACTH Ausschüttung.

Frisches Wasser zu jeder Zeit

Stelle die Wasserversorgung deines Pferdes nicht nur in der Box oder im Offenstall sondern auch auf der Weide, der Koppel sicher. Dein Pferd sollte stets freien Zugang zu qualitativ hochwertigem Wasser haben. Daher achte im Winter darauf, dass die Tränken nicht einfrieren und das Wasser möglichst nicht eiskalt ist. Da viele Pferde es bevorzugen große Schlücke an Wasser nehmen zu können, kann es Sinn machen, deinem Pferd neben einer Selbsttränke auch immer wieder Wasser aus einem Kübel bereitzustellen. 

Hilfreiche Tipps für Cushing Pferde

Neben dem optimalen Pferdefutter für Cushing Pferde solltest du alles vermeiden, was den Stoffwechsel unnötig belastet. Dazu zählt vor allem Stress, aber auch Impfungen. Bei einem alten Pferd empfiehlt es sich daher auf Mehrfachimpfungen zu verzichten und eine Titer-Bestimmung vor Impfung anfertigen zu lassen. Auch eine Entwurmung mittels Wurmpaste ist eine Belastung für den Stoffwechsel, selektive Entwurmung wäre daher anzuraten.  

Da in vielen Fällen auch die Hufe betroffen sind, ist eine regelmäßige und qualitativ hochwertige Hufbearbeitung unerlässlich und kann durchaus zum Therapieerfolg beitragen.

Neben der Optimierung von Haltung und Fütterung gibt es natürlich auch Medikamente, die eingesetzt werden können. Dazu berät dich am besten dein Tierarzt.

 

(Quelle: „Pferdefütterung“, 2020, Coenen, Meyer, S. 325 - 326; „PPID-Diagnostik – immer im Wandel?“, 2020, Moschos A., IDEXX Laboratories; „Zivilisationskrankheiten des Pferdes“, 2020, Fritz C., Maleh S., S. 68-70;)