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Isabel Atzinger
  • Isabel Atzinger

Silage als Heuersatz oder absolut kein Pferdefutter?

Kann man SIlage als Heuersatz verwenden? Was ist der Unterschied zwischen Heulage und Grassilage? Welche Vor- und Nachteile sind in der Pferdefütterung zu beachten? All diese und mehr Fragen beantworten wir in diesem Blogbeitrag.

Silage als Heuersatz oder absolut kein Pferdefutter?

Was ist Silage?

Silage ist eine Art Grünfutter haltbar zu machen. Sie unterscheidet sich in ihrer Zubereitung und als Endprodukt deutlich von Heu. Silage ist ein typisches Futter für Rinder und wird in diesem Bereich erfolgreich eingesetzt. Sie hat einen Trockensubstanzgehalt von weniger als 35% und weist einen geringen Rohfasergehalt, aber einen hohen Proteingehalt auf.

Achtung, Silage muss von Heulage unterschieden werden. Heulage weist einen Trockensubstanzgehalt von 45% und mehr auf. Bei sachgemäßer Herstellung und Lagerung ist Heulage in Gegensatz zu Silage als Heuersatz geeignet. Allerdings solltest du bei Heulage ganz besonders auf ihre Qualität achten und nach dem Öffnen des Ballens, ihn am besten innerhalt von 1 bis 2 Tagen verfüttern. Ansonsten folgen ungewollte Nachgärungen, die Keimzahl steigt an und toxische Wirkungen folgen. Deshalb muss ein geöffneter Ballen nach 2 Tagen am Mist landen und sollte nicht mehr gefüttert werden.

Wie wird Silage hergestellt?

Gras wird gemäht und dann nicht zum Trocknen am Feld liegen gelassen oder in die Trocknungsanlage gegeben, sondern noch mit höherem Feuchtegehalt eingefahren, fest verpresst und luftdicht verschlossen. Der Herstellungsprozess ist an und für sich eine Gärung des Futters, die durch Mikroorganismen, den Milchsäurebakterien erfolgt. Durch die Gärung entsteht Säure und dadurch wiederum wird die Haltbarkeit hergestellt. Das kann in verschiedenen Techniken umgesetzt werden:

>  Haufen Silage – die Ernte wird eingefahren, auf einen Haufen geschichtet und mittels Traktoren niedergefahren, dadurch zusammengepresst. Anschließend wird das Futter mit einer Folie bedeckt.

>  Gärung im Tank – das Futter kommt in einen Tank und gärt darin.

>  Ballengärung – die Ernte wird in Ballen gepresst und anschließend mit Folie umwickelt.

Das Wichtigste in der Herstellung ist eine sorgfältige und saubere Arbeitsweise. Nach dem Verpressen muss die Silage luftdicht verschlossen werden. Wird die Silage nicht vor Verschmutzung oder Lufteintritt gesichert, können sich Fäulnisbakterien, Schimmelpilze, aber auch Essigsäurebakterien und Buttersäurebakterien vermehren und damit die Silage ungenießbar machen. Bei Haufen-Silage oder großen Silageballen wird der „Anschnitt“ mit Propionsäure behandelt, um Nachgärungen zu verhindern. Die gewollte Gärphase dauert etwa 3 Monate an – in dieser Zeit darf eine Silage niemals verfüttert werden.

Silage in der Pferdefütterung?

Das Haupt-Problem an der Fütterung von Silage an Pferde ist die Übersäuerung im Pferdekörper durch den hohen Säuregehalt der Grassilage. Der pH-Wert der Silage sinkt nämlich auf eine pH-Wert von 4, zum Teil sogar auf 3 ab. Der Körper muss die von außen aufgenommene Säure im Körper „entsäuern“ um einer Übersäuerung im Organismus entgegen zu wirken.

>  Symptome bei Übersäuerung von Pferden

>  Rülpsen

>  Gähnen

>  Futterverweigerung

>  Abmagerung ohne erkennbare Ursache

>  Unwillen sich fortzubewegen, zu arbeiten

>  Konzentration fällt schwer

>  Kotwasser

>  Durchfall

>  Kolik

>  Muskuläre Verspannungen

Durch die Fütterung von Silage kann es also zu einer Verschiebung im Säure-Basen-Haushalt sowie Stoffwechselstörungen kommen. Der Körper des Pferdes versucht die von außen aufgenommene Säure zu entsäuern und benötigt dafür Mineralstoffe. Stehen diese Mineralstoffe ungenügend bereit, kann es neben der Übersäuerung auch zu einer Entmaterialisierung des Pferdes führen. Dadurch kann wiederum der Verdauungstrakt nicht ordnungsgemäß funktionieren und es kommt zu Verdauungsproblemen. Im Darm sammeln sich bspw. unter Umständen zu viele Milchsäurebakterien, die wiederum die zur Verdauung benötigten guten Bakterien vertreiben. Es folgt eine Schädigung der Darmflora.

Mit einer Störung der Darmflora geht allerdings eine Überlastung mit Ammoniak und Harnstoff einher und damit eine erhöhte Belastung der Entgiftungsorgane – Leber & Niere.

Zudem sollte man berücksichtigen, dass ein derart saures Futter wie Silage insbesondere für bereits im Magen-Darm-Bereich vorgeschädigte Pferde, problematisch ist. Denn die enthaltene Säure reizt eine bereits geschädigte oder entzündete Magenschleimhaut zusätzlich.

Auch wenn die Silage in ihrer Herstellung und ihrem Nährstoffgehalt Vorteile mit sich bringen mag, überwiegen die Nachteile in Bezug auf den Stoffwechsel des Pferdes deutlich. Aus diesem Grund rate ich von einer Silagefütterung ab. Nicht aber zu verwechseln mit einer Heulagefütterung – eine solche ist in individuellen Fällen hilfreich und sinnvoll.

Warum aber, wird Silage dennoch in der Pferdefütterung eingesetzt?

Vermutlich unter anderem wegen der kürzeren Herstellungsdauer. Gras zur Silageproduktion muss wenig bis gar nicht am Feld anwelken und kann direkt eingefahren werden. Dadurch ist die Ernte natürlich auch weniger anfällig und abhängig in Hinblick auf das Wetter. Der Bauer hat einfach ein geringeres Risiko beim Einbringen des Ertrags. Der Energie- und Nährstoffgehalt liegt höher als im Heu und dadurch kann man sich bspw. Kraftfutter oder Menge an Grundfutter sparen.

Aber sicherlich auch wegen der immer Heuverknappung und der Tatsache, dass viele Pferdehalter nach einer Alternative zu Heu suchen müssen. Wenn man kann, sollte man allerdings auf 100% Heu setzen. Eine richtige Heu-Alternative gibt es nicht – egal ob Heulage, Stroh oder Heu-Cobs – jede Fütterungsart hat seine Vor- und Nachteile gegenüber Heu. Die Wahl wird individuell getroffen werden müssen. Allenfalls sollte an Pferde, die Magen-Darm-Probleme haben, auch keine Heulage verfüttert werden. Wenn man auf Heulage zurückgreifen muss, dann sollte man penibel auf die Qualität achten und die Pferde nur sehr langsam daran gewöhnen.

(Quelle: „Pferdefütterung“, 2014, Coenen, Meyer; „Pferdehaltung und Fütterung“, 2015, Ingolf Bender)