Konto
Jedes Pferd ist einzigartig!
Isabel Atzinger
  • Isabel Atzinger

Erst Heu dann Krippenfutter

Fütterungszeiten, Fütterungsgewohnheiten sind für unsere Pferde enorm wichtig. In diesem Blogbeitrag erfährst du von mir, wie du bereits durch den richtigen Fütterungszeitpunkt, die Gesundheit deines Pferdes beeinflusst.

Erst Heu dann Krippenfutter

Viele von uns Reitern kennen das – nach dem Reiten, Longieren, Bodenarbeit machen, allgemein nach der Bewegung unserer Pferde, belohnen wir sie. Aber allzu oft bleibt es nicht bei einem Leckerli. Das Pferd bekommt zusätzlich eine ordentliche Belohnung in Form von Kraftfutter. Absatteln, abtrensen, ab in die Box mit dem Pferdchen und schon wird die Futterschüssel gefüllt. Das Pferd freut sich brummelt vielleicht schon und wartet gierig an der Boxentüre. Futter ab in den Futtertrog und schon wird los gefressen. Mal mehr oder weniger schnell… Auch wenn wir uns freuen, wenn unsere Pferde nach der Futterschüssel betteln, sollte uns bewusst sein, dass es nicht gesund ist, dem Pferd nach dem Reiten, vor der Rauhfuttergabe Kraftfutter zu füttern.

Wo liegt das Problem mit der Kraftfuttergabe?

Wenn die Pferde nach der Bewegung gefüttert werden, haben sie häufig mindestens 2-3 h lang nichts mehr gefressen. Sie stürzen sich gierig auf das leckere Futter und kauen eher weniger als mehr. Dadurch wird der Futterbrei nicht ausreichend eingespeichelt. Aber bereits dieser Vorgang ist essentiell für eine ordentliche Verdauung in den nachfolgenden Schritten. Rauhfutter hingegen wird intensiver gekaut und eingespeichelt als Kraftfutter (Für 1 kg Krippenfutter benötigen Pferde ca. 10 Minuten, für 1 kg Heu oder Stroh ca. 45 Minuten Fresszeit). Der Futterbrei gelangt nun in den Magen, wo dieser im zweiten Teil mit Magensäure durchtränkt wird. Je weniger der Kraftfutterbrei eingespeichelt und gekaut wurde, desto fester und klumpiger kommt er im Magen an. Aber auch umso schwerer kann der Magensaft den Futterbrei ausreichend durchtränken. Ist ein durchtränken nur begrenzt möglich, kann die bakterielle Zerlegung des Futters durch die Bildung von Milchsäure und Gasen fortschreiten. Weiters hat das Krippenfutter eine längere Verweildauer im Magen als Rauhfutter. Geben wir das Rauhfutter danach, könnte es sein, dass dieses den stärkehaltigen Futterbrei von vorher noch nicht fertig vorbereitet in den Dünndarm weiterschickt. Kommt der Futterbrei (weil nicht richtig verdaut) nun im Dünndarm mit einem niedrigen pH-Wert von 6 und geringer an, könnte die Schleimhaut Schaden nehmen, die Peristaltik gestört und die Arbeit der körpereigenen Enzyme eingeschränkt werden. Auch die Bildung von Gasen kann ansteigen. Werden hier wiederum die Kohlehydrate im Dünndarm durch eingeschränkte Enzymtätigkeit unzureichend verdaut, verschiebt sich das Problem in den Dickdarm. Dort angekommen stürzen sich Bakterien auf die Kohlehydrate, die Milchsäure produzieren. Die „guten“ Bakterien werden weniger und es kann zu einer Aufgasung kommen. Das Problem zieht sich also von vorne bis hinten durch und erhöht das Risiko einer Fehlgärung. Auch wichtig ist es aber auch zu wissen, dass bei einem gestörten Verdauungsablauf auch die Nährstoffverwertung unzureichend ist.

Pferdegerecht füttern

Jedem, der bis zum Ende gelesen hat, sollte nun bewusst geworden sein, warum wir unseren Pferden erst Raufutter, dann Kraftfutter füttern sollten. Statt der Müslischüssel bekommen die Pferde also in Zukunft besser eine Umarmung oder weil Liebe halt doch durch den Magen geht (zumindest bei uns Menschen), ein zwei Karotten als Belohnung. Der Futtertrog sollte erst nach einer Fresszeit von 30 Minuten mit dem Müsli gefüllt werden.

(Quelle: „Pferdefütterung“, 2014, Coenen, Meyer)