Heuersatz beim Pferd: Welche Alternativen zu Heu gibt es bei Heumangel?

·Isabel Knaus

Erstveröffentlichung Mai 2020 · Vollständig überarbeitet im August 2026 

Zusammengefasst zum Schnell-Durchlesen: 

Es gibt keinen vollwertigen Ersatz für Heu. Kein anderes Futtermittel vereint Rohfaser, Struktur, Kauzeit und Nährstoffprofil so wie gutes Heu. Was es gibt, sind Streckmittel und Teilalternativen – jede mit eigenem Nährstoffprofil und eigenen Risiken.

  • Stroh streckt die Ration, liefert aber kaum Nährstoffe – maximal 1 kg je 100 kg Körpermasse, besser nur bis zu einem Drittel der Heumenge.
  • Heulage kann Heu bei einwandfreier Qualität weitgehend ersetzen – Silage für Rinder dagegen nicht.
  • Luzerne, Esparsette, Timothee und Grünhafer sind Ergänzungen, keine Grundfutter – sie verschieben Protein-, Calcium- und Energiebilanz teils erheblich.
  • Trockenschnitzel sind ein Energie-, kein Strukturfutter – und „unmelassiert" heißt nicht automatisch zuckerarm.
  • Bei allen Cobs, Pellets und Briketts gilt: Ohne vollständige Analyse weißt du nicht, was drin ist. Als Laie kannst du es dem Produkt nicht ansehen.
  • Plane früh: Eine Ergänzung über das ganze Jahr zu verteilen ist gesundheitlich machbar – die gesamte Ration am Ende auf einmal zu ersetzen nicht.
  • Zwei harte Ausschlusskriterien: Schimmel und ein Gesamtglucosegehalt über 12 %. Niedriges Protein dagegen ist kein Grund zum Umstieg, sondern zum Ergänzen.
  • Und das Wichtigste: Ändert sich dein Raufutter, ändert sich die gesamte Nährstoffbilanz. Das Krippenfutter muss neu darauf abgestimmt werden – sonst entstehen Lücken oder Überschüsse.

 

Inhaltsverzeichnis


Warum wird das Heu knapp? Trockenheit ist nur ein Teil des Problems

Die Heuversorgung im DACH-Raum ist seit Jahren unter Druck – und das nicht nur wegen Dürre.

Trockenheit und Hitze. Das erste Halbjahr 2026 war in Österreich das zweittrockenste seit Beginn der Aufzeichnungen, in Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg sogar das trockenste überhaupt. Im April fielen im Österreichmittel nur rund 24 Millimeter Niederschlag – etwa ein Drittel des langjährigen Monatsmittels. Im Grünland drohen in zahlreichen Regionen Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent. Eine Umfrage unter 506 Betriebsleitern ergab, dass 92,7 % der österreichischen Landwirte mit Ernteverlusten rechnen, im Grünland im Schnitt mit 33 Prozent. Die Österreichische Hagelversicherung beziffert den landwirtschaftlichen Gesamtschaden 2026 auf rund eine Milliarde Euro.

Starkregen und Überschwemmungen. Das Gegenteil von Dürre ist genauso problematisch. Nasse Erntefenster verzögern den Schnitt – das Gras überständig, wird holzig und verliert an Nährstoffdichte. Wird trotzdem gemäht, steigt das Risiko, dass das Heu nicht ausreichend trocknet: Restfeuchte über etwa 15 % wird begünstigt Schimmelpilze und Nacherwärmung im Ballen. Überschwemmte Flächen bringen zusätzlich Erd- und Schlammanteile ins Erntegut – und damit Clostridien- und Listeriensporen.

Späte Fröste, Schädlinge, Bodenverdichtung. Auch Engerlingsschäden, Mäusegänge und verdichtete Böden nach schweren Erntemaschinen drücken den Ertrag und erhöhen den Erdanteil im Schnitt.

Die Folge für dich als Pferdebesitzer: weniger Heu, schwankendere Qualität, höhere Preise – und die Frage, womit du die Lücke füllst, ohne deinem Pferd zu schaden.

 

Was macht Heu eigentlich unersetzbar?

Heu erfüllt gleichzeitig vier Funktionen, die kein einzelnes Ersatzfuttermittel abdeckt.

Funktion Warum sie zählt
Rohfaserversorgung Rund 30–33 % Rohfaser in der Trockenmasse gelten als Orientierung für pferdegerechtes Heu. Die Faser ernährt die Dickdarmflora, aus der das Pferd einen Großteil seiner Energie zieht.
Kaustimulation und Speichel Ein Pferd kaut an 1 kg Heu etwa 40 Minuten. Speichel puffert die Magensäure – der Pferdemagen produziert sie kontinuierlich, unabhängig davon, ob gefressen wird.
Fresszeitverlängerung Lange Fresspausen erhöhen das Risiko für Magengeschwüre. Als Faustregel sollten Pausen 4-6 Stunden nicht überschreiten.
Volumen und Sättigung Der Verdauungstrakt des Pferdes ist auf ständige Befüllung mit strukturiertem Futter ausgelegt.


Wie viel Heu braucht ein Pferd?

Als bedarfsdeckende Menge gelten 1,5 bis 2 kg Heu je 100 kg Körpermasse pro Tag. Die absolute Untergrenze, unter die du auch in Mangelzeiten nicht gehen solltest, liegt bei 1 kg Heu je 100 kg Körpermasse.

Ein 600-kg-Warmblut braucht also 9 bis 12 kg Heu täglich. Fällt davon ein Drittel weg, sind das 3 bis 4 kg, die du ersetzen musst – und zwar nicht nur energetisch, sondern auch strukturell.

Wichtig: Energie lässt sich leicht ersetzen. Struktur und Kauzeit nicht. Genau daran scheitern die meisten Ersatzstrategien.


Die Alternativen im Detail

Stroh: Der klassische Strecker – mit klaren Grenzen

Was es ist: Getrocknete Halme von Getreide nach dem Dreschen, meist Weizen-, Gersten- oder Haferstroh. Haferstroh ist weicher. Weizenstroh wird hingegen wegen des Geschmacks lieber gefressen. Gerstenstroh sollte wegen der Grannen nicht gefüttert werden, um Läsionen im Maul oder Magen vorzubeugen. 

Nährstoffprofil (Orientierung): Sehr hoher Rohfasergehalt, aber stark ligninhaltig. Die Verdaulichkeit der organischen Masse liegt bei nur rund 35 %. Rohprotein 28 bis 35 g/kg TS, davon praecaecal verdaulich nur 6 g/kg TS – eine Proteinverdaulichkeit von rund 19 %. Energiegehalt gering, Zucker und Stärke sehr niedrig.

Zur Einordnung: Durchschnittliches Heu liefert 50 g/kg TS praecaecal verdauliches Rohprotein, Stroh nur 6 g/kg TS. Wer Heu durch Stroh ersetzt, tauscht also nicht einfach ein schwächeres gegen ein stärkeres Futtermittel – er entfernt die Proteinquelle praktisch vollständig aus diesem Anteil der Ration.

Vorteile:
- Verlängert Fresszeiten und beschäftigt – der wichtigste Punkt bei Heumangel
- Sehr zucker- und energiearm, dadurch für leichtfuttrige Pferde und EMS-Kandidaten geeignet, solange die Menge stimmt
- Meist gut verfügbar und günstig

Nachteile und Risiken:
- Verstopfungskolik bei zu großen Mengen
- Stroh ist schwer verdaulich und bindet viel Wasser
- Schleimhautläsionen durch grannenreiche, harte Stroharten, besonders am Zahnfleisch und im Magen
- Liefert kaum Protein, Energie und Spurenelemente. Wer Heu großflächig durch Stroh ersetzt, erzeugt Nährstofflücken
- Nicht geeignet für Pferde mit Zahnproblemen, Senioren, Sandkolik-Vorgeschichte oder bekannten Magengeschwüren
- Die Qualität von Stroh ist oft schlecht, häufig Pestizidbelastung. Daher BIO Qualität bevorzugen und am besten eine Analyse anfordern

Fütterungsempfehlung:
- Maximal 1 kg je 100 kg Körpermasse pro Tag – das ist die Obergrenze, nicht das Ziel.
- Praxisnah: höchstens ein Drittel der Heumenge durch Stroh ersetzen.
- Immer ausreichend Wasser verfügbar halten, idealerweise angewärmt im Winter.
- Weiche Sorten wählen, Ballen auf Staub und Schimmel prüfen.

 

Heulage: Bedingt geeignet – aber nur mit kompromissloser Qualität

Was es ist: Angewelktes Gras, das mit einem Trockensubstanzgehalt von etwa 50 bis 70 % in Folie gewickelt und durch Milchsäuregärung konserviert wird. Sie liegt damit zwischen Heu (rund 86 % TS) und Grassilage.

Nährstoffprofil: Energiegehalt ähnlich dem Heu, kann aber deutlich schwanken. Der Rohfasergehalt schwankt stark mit dem Schnittzeitpunkt – Werte über 34 % in der Trockenmasse weisen auf einen späten Schnitt hin. Wegen des niedrigeren TS-Gehalts musst du mengenmäßig deutlich mehr füttern, um dieselbe Trockensubstanz zu erreichen.

Vorteile:
- Deutlich staubärmer als Heu – der große Pluspunkt für Pferde mit Equinem Asthma, chronischem Husten oder Heustauballergie
- Witterungsunabhängigere Ernte, dadurch in nassen Sommern oft die realistischere Konservierungsform
- Bei guter Qualität ein vollwertiges Raufutter

Nachteile und Risiken:
- Botulismus. Clostridium botulinum gelangt über Erdanteile oder Kleintierkadaver ins Erntegut. Pferde sind für das Toxin besonders empfänglich, der Verlauf ist häufig tödlich. Risikofaktoren sind Erdkontamination, zu feuchtes Siliergut und ein unzureichend niedriger pH-Wert – Werte über 4,5 gelten als kritisch
- Listeriose durch Erdeintrag, mit neurologischer Symptomatik
- Angebrochene Ballen verderben schnell – innerhalb von 1 bis 2 Tagen verfüttern, im Sommer schneller
- Folienschäden führen zu Lufteintritt, Nachgärung und Schimmel. Löcher sofort abkleben
- Höhere Belastung der Leber im Vergleich zu Heu wird diskutiert

Fütterungsempfehlung:
- Nur mit dokumentierter Qualität: TS-Gehalt, pH-Wert, Milchsäuregehalt und Keimbelastung sollten analysiert vorliegen.
- Umstellung über mehrere Wochen langsam steigern, damit sich die Darmflora anpassen kann.
- Rationsmenge über die Trockensubstanz berechnen, nicht über das Frischgewicht - in Kombination mit dem Energiegehalt im Verhältnis zum Energiebedarf des Pferdes.

 

Grassilage: Für Rinder gemacht, nicht für Pferde

Was es ist: Gras, das mit einem Trockensubstanzgehalt unter 35 % siliert wird – also deutlich feuchter als Heulage, mit intensiverer Milchsäuregärung.

Warum sie problematisch ist: Pferde sind keine Wiederkäuer. Ihre Dickdarmflora reagiert empfindlich auf hohe Milchsäureeinträge und Fehlgärungen. TS-Gehalte unter 35 % gelten als Hauptrisikofaktor für Clostridienvermehrung.

Vorteile:
- Staubarm
- In manchen Regionen die einzige verfügbare Konservierungsform
- Rein rechnerisch ersetzen etwa 2 kg Grassilage 1 kg Heu – abhängig vom TS-Gehalt

Nachteile und Risiken:
- Übersäuerung des Darmmilieus, Fehlgärungen, Koliken
- Deutlich höheres Botulismusrisiko als bei Heulage
- Meist proteinreicher als Heu – belastet bei größeren Mengen den Eiweißstoffwechsel
- Sehr kurze Haltbarkeit nach dem Anschnitt

Fütterungsempfehlung: 
Klassische Grassilage mit unter 50 % TS oder deutlich vergorenem, stechend-saurem Geruch ist für Pferde nicht geeignet. Wenn überhaupt, dann nur sehr trockene Ware mit Laboranalyse, langsamer Angewöhnung und immer in Kombination mit Heu oder Stroh.

 

Maissilage: Stärkefalle mit fehlender Struktur

Was es ist: Silierte ganze Maispflanze, in der Rinderfütterung Standard.

Nährstoffprofil: Hoher Stärkeanteil von etwa 100 g Stärke je kg Grünmaissilage, gleichzeitig eiweißarm.

Das Kernproblem: Für Pferde gilt als Orientierung eine Obergrenze von maximal 100 g Stärke je 100 kg Körpermasse und Mahlzeit. Wird sie überschritten, gelangt unverdaute Stärke in den Dickdarm. Dort vermehren sich unerwünschte Milchsäurebildner, die nützliche Faserflora stirbt ab – das Darmmilieu kippt. Folgen können Kotwasser, Koliken und im Extremfall Hufrehe sein.

Zweites Problem: Maissilage für Rinder wird meist auf unter 1 cm gehäckselt. Damit geht die kaustimulierende Wirkung vollständig verloren – genau die Funktion, für die du eigentlich Ersatz suchst.

Drittes Problem: Maissilage ist anfällig für Schimmelpilze und deren Mykotoxine, besonders an Anschnittflächen und bei Lagerung außerhalb des Silos. Bereits nach 12 bis 24 Stunden außerhalb des Silos vermehren sich Hefen, was Gaskoliken begünstigt.

Fütterungsempfehlung:
Maissilage ist kein Heuersatz. Allenfalls in sehr kleinen Mengen als Energieträger bei schwerfuttrigen Pferden, mit tagesfrischer Entnahme und strikter Stärkerechnung. Für stoffwechselempfindliche Pferde, EMS-, Cushing- und Rehepatienten ist sie ungeeignet.

 

Luzerne: Die Eiweiß- und Calciumbombe

Was es ist: Eine Leguminose (Alfalfa), erhältlich als Luzerneheu, Häcksel, Fasern, Cobs oder Pellets. Als Tiefwurzler kommt sie mit Trockenheit besser zurecht als Gras – in Dürrejahren daher oft besser verfügbar.

Nährstoffprofil (Orientierung, produktabhängig stark schwankend):
- Rohprotein im Luzerneheu: 157 g/kg TS (etwa 16 %) – ein Vielfaches von durchschnittlichem Heu mit 87 g/kg TS - Praecaecal verdauliches Rohprotein (pcvXP) nach Coenen: 111 g/kg TS im Luzerneheu - Praecaecale Verdaulichkeit des Rohproteins: rund 70 % – deutlich höher als bei Heu mit etwa 57 % - Gutes Aminosäuremuster mit Lysin, Methionin und Threonin
- Rohfaser: etwa 20 bis 25 %
- Zucker: sehr niedrig, in Luzerneheu etwa 1 bis 3,5 % 
- Calcium: hoch, mit einem Ca:P-Verhältnis von rund 4:1

Frisch oder getrocknet? Für frische Luzerne nennt Coenen 30 g/kg praecaecal verdauliches Rohprotein – allerdings bezogen auf die Frischsubstanz, wie bei Saftfuttermitteln üblich, während die Werte für konservierte Futtermittel auf der Trockensubstanz basieren. Frische Luzerne besteht zu rund 80 % aus Wasser. Rechnet man den Wert auf Trockensubstanz um, liegt frische Luzerne also mindestens auf dem Niveau der getrockneten Ware, eher darüber.

Der Grund: Trocknung kostet Proteinqualität. Beim Wenden gehen die eiweißreichen Blätter über Bröckelverluste verloren, und Hitzeeinwirkung kann Protein für den Dünndarm unzugänglich machen. Für deine Rationsberechnung ist ohnehin der Wert der getrockneten Ware relevant – du fütterst in aller Regel Cobs, Häcksel oder Luzerneheu. Wichtig ist die Unterscheidung trotzdem: Vergleiche zwischen Frisch- und Trockenfutter sind nur dann gültig, wenn beide auf dieselbe Bezugsbasis umgerechnet werden.

Vorteile:
- Schließt Eiweißlücken bei proteinarmem Heu - relevant für Senioren, Sport-, Zucht- und Jungpferde sowie im Muskelaufbau
- Sehr zuckerarm, dadurch in Maßen auch für stoffwechselempfindliche Pferde einsetzbar
- Wird ähnlich lange gekaut wie Heu, wenn sie langfaserig angeboten wird
- Gleicht das Ca:P-Verhältnis bei getreidebetonten Rationen aus

Nachteile und Risiken:
Calciumüberschuss. Heu und Weide sind bereits calciumreich. Zusätzliche Luzerne verschiebt das Verhältnis weiter – langfristig kann das die Phosphorverfügbarkeit beeinträchtigen
- Eiweißüberschuss belastet Leber und Nieren. Überschüssiges Protein muss über Harnstoff ausgeschieden werden, was den Wasserbedarf erhöht und die Ammoniakbelastung in der Box steigert
- In pelletierter oder fein vermahlener Form geht die Strukturwirkung verloren
- Bei sehr magenempfindlichen Pferden wird Luzerne kontrovers diskutiert, weil sie Läsionen an den Schleimhäuten verursachen kann

Fütterungsempfehlung:
Als Ergänzung, nicht als Grundfutter. Die sinnvolle Menge hängt vollständig davon ab, wie eiweißreich dein restliches Raufutter ist – ohne Heuanalyse ist das Raten. Faustregel: je proteinärmer das Heu, desto mehr Spielraum. Aber wichtig - je nach Anbauregion kann die Luzerne auch einen relativ niedrigen Proteingehalt vorweisen. Das macht eine Analyse notwendig. 

 

Esparsette: Die magenfreundlichere Leguminose

Was es ist: Ebenfalls eine Leguminose, meist als Cobs, Pellets oder Häcksel im Handel. In der Pferdefütterung erlebt sie eine Renaissance.

Nährstoffprofil (Orientierung, chargenabhängig):
- Rohprotein im Esparsettenheu: 139 g/kg TS (etwa 14 %) – etwas niedriger als Luzerneheu mit 157 g/kg TS - Praecaecal verdauliches Rohprotein: 95 g/kg TS, entsprechend einer praecaecalen Verdaulichkeit von rund 68 %
- Rohfaser: rund 24 bis 25 %
- Calcium: etwa 0,8 bis 1,2 %, Phosphor rund 0,2 bis 0,25 %
- Zucker: etwa 6 %
- Umsetzbare Energie: rund 7,2 MJ/kg

Die Einordnung: Esparsette und Luzerne liegen beim Nutzungsgrad des Proteins praktisch gleichauf – 68 gegenüber 70 % praecaecaler Verdaulichkeit. Esparsette liefert absolut etwas weniger verwertbares Eiweiß (95 statt 111 g/kg), bringt dafür aber weniger Calcium in die Ration. Die Entscheidung zwischen beiden fällt deshalb selten über den Proteinwert, sondern über die Calciumbilanz und die Verträglichkeit beim einzelnen Pferd.

Der Unterschied zur Luzerne: Esparsette enthält kondensierte Tannine (Proanthocyanidine). Diese Gerbstoffe wirken adstringierend auf die Schleimhäute und können die Proteinverwertung beeinflussen. Die Tannine stehen in Verdacht die Aufnahme von Spurenelementen zu verschlechtern. Allerdings ist die Studienlage dünn. 

Vorteile:
- Hochwertiges Protein bei moderaterem Calciumgehalt als Luzerne
- Niedriger Zucker- und Stärkegehalt
- Gute Akzeptanz bei den meisten Pferden

Nachteile und Risiken:
- Durch Bitterstoffe lehnen manche Pferde sie ab
- Nährwerte schwanken je nach Schnittzeitpunkt und Herkunftsfläche erheblich – Chargenanalysen sind Pflicht
- Cobs müssen eingeweicht werden (etwa dreifache Wassermenge), bis sie vollständig zerfallen sind
- Auch hier gilt: als Ergänzung gedacht, nicht als Heuersatz in großen Mengen.

 

Timothee (Wiesenlieschgras): Zuckerarm und spurenelementarm

Was es ist: Ein sortenreines Heu beziehungsweise Fasern aus Wiesenlieschgras – im Gegensatz zu normalem Wiesenheu also eine einzige Grasart.

Nährstoffprofil: Deutlich weniger Zucker als durchschnittliches Heu, hoher Rohfaser- und moderater Eiweißgehalt. Timothee zählt zu den fruktanärmeren Grasarten und wird gerne gefressen.

Vorteile:
- Interessant für stoffwechselempfindliche Pferde, EMS, Cushing und Rehe-Kandidaten
- Standardisierte, staubarme Qualität
- Als Fasern strukturreich, daher mit echter Kauwirkung – ein Vorteil gegenüber pelletierten Produkten
- Gut geeignet als Kraftfutterersatz für übergewichtige Pferde

Nachteile und Risiken:
- Der Spurenelementgehalt liegt unter dem von durchschnittlichem Heu. Und durchschnittliches Heu ist bei Zink, Kupfer und Selen ohnehin schon deutlich unterversorgt (siehe Kapitel zur Ergänzung). Wer größere Anteile der Ration über Timothee abdeckt, vergrößert also eine Lücke, die vorher schon bestand
- Als Monokultur bringt es weniger Artenvielfalt und damit ein schmaleres Nährstoffspektrum als Wiesenheu
- Preislich deutlich über normalem Heu
- Nährwerte schwanken witterungs- und erntebedingt

Fütterungsempfehlung:
Als Raufutterergänzung oder Teilersatz gut geeignet – immer mit einem darauf abgestimmten Mineralfutter. Ohne diese Anpassung tauschst du ein Zuckerproblem gegen ein Spurenelementproblem.

 

Grünhafer: Zwischen Raufutter und Kraftfutter

Was es ist: Die ganze oberirdische Haferpflanze, geerntet vor der Stärkeeinlagerung ins Korn, also kurz vor oder in der Blüte. Danach getrocknet, als Häcksel oder Cobs.

Warum der Erntezeitpunkt alles entscheidet:

Erntezeitpunkt Zucker Stärke
Vor der Milchreife 4–8 % 1–4 %
Nach Einsetzen der Milchreife 20–30 % 20–30 %

Ein zu spät geernteter Grünhafer ist damit ein völlig anderes Futtermittel als ein rechtzeitig geernteter – bei identischer Produktbezeichnung. Für ein Rehepferd kann dieser Unterschied gefährlich werden.

Nährstoffprofil (bei rechtzeitiger Ernte): Rohprotein etwa 8 bis 15 %, Rohfaser etwa 15 bis 30 %, ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis. Beim Energiegehalt gehen die publizierten Angaben weit auseinander – von rund 5 MJ/kg in einzelnen Produktanalysen bis 11 bis 13 MJ/kg Trockenmasse in anderen Quellen. Genau deshalb ist die produktspezifische Analyse unverzichtbar.

Vorteile:
- Bei früher Ernte stärke- und zuckerarm, dadurch als Kraftfutterersatz für leichtfuttrige und stoffwechselempfindliche Pferde interessant
- Hoher Rohfasergehalt, verlängert Fresszeiten
- Wirkt basenbildend und kann so den Säure-Basen-Haushalt bei getreidebetonten Rationen entlasten
- Sehr gute Akzeptanz

Nachteile und Risiken:
- Bei später Ernte hoher Zucker- und Stärkegehalt – das Gegenteil dessen, was beworben wird
- Energiegehalt kann im Kraftfutterbereich liegen. Grünhafer ist dann kein Heuersatz, sondern ein Kraftfutter
- Große Chargenschwankungen

Fütterungsempfehlung:
Als Ergänzung zum Raufutter, nicht anstelle von Heu. Verlange die Analyse mit Zucker- und Stärkewerten – „Grünhafer" allein sagt nichts aus.

 

Trockenschnitzel: Energie ja, Struktur nein

Was es ist: Das entzuckerte Rübenmark aus der Zuckerherstellung, auf etwa 90 % Trockensubstanz getrocknet, lose oder pelletiert. Melassierte Varianten haben zusätzlich Melasse erhalten.

Nährstoffprofil:
- Unmelassierte Trockenschnitzel: etwa 5 % Zucker als Richtwert
- Melassierte Trockenschnitzel: etwa 20 %, teils 9 bis 25 % Zucker
- Rohfaserreich, aber eiweißarm: Rohprotein 95 g/kg TS bei melassierter Ware, davon praecaecal verdaulich 62 g/kg TS (rund 65 %)
- Energetisch hochwertig, calciumreich, sehr stärkearm

Ein interessanter Nebenaspekt: Pro Kilogramm Trockensubstanz liefern melassierte Trockenschnitzel mit 62 g mehr verwertbares Protein als durchschnittliches Heu mit 50 g. Das täuscht aber: Du fütterst nur 200 bis 500 g pro Tag, also steuern sie real nur etwa 12 bis 31 g zur Ration bei. Als Energieträger sind Trockenschnitzel gut, als Proteinquelle spielen sie mengenmäßig keine Rolle.

Der Haken, den viele übersehen: Der natürliche Zuckergehalt der Zuckerrübe schwankt sorten- und ernteabhängig zwischen etwa 5 und 20 %. Unabhängige Messungen haben gezeigt, dass Chargen desselben Produkts erheblich schwanken und als „unmelassiert" beworbene Produkte teils höhere Zuckerwerte aufwiesen als andere. „Unmelassiert" bedeutet nur, dass keine Melasse zugesetzt wurde – nicht, dass das Produkt zuckerarm ist.

Vorteile:
- Langsam freigesetzte Energie ohne Stärkebelastung – gut zum Auffüttern
- Hohe Verdaulichkeit, auch für Senioren mit Zahnproblemen geeignet
- Unterstützt durch das eingeweichte Volumen die Wasseraufnahme
- Calciumreich, gleicht getreidebetonte Rationen aus.

Nachteile und Risiken:
- Schlundverstopfung und Kolik bei unzureichendem Einweichen. Trockenschnitzel quellen im Verdauungstrakt weiter auf
- Keine nennenswerte Strukturwirkung – ersetzt keine Kauzeit
- Bei längerfristiger hoher Gabe und hohem Zuckergehalt ist eine Belastung des Insulinstoffwechsels zu bedenken
- Für Rehe- und EMS-Pferde nur mit nachgewiesen niedrigem Zuckergehalt

Fütterungsempfehlung:
Immer vollständig einweichen – mindestens die vierfache Wassermenge, Pellets länger als lose Ware. Vollständig aufgequollen und zerfallen verfüttern
- Eingeweichte Ware immer frisch verfüttern, im Sommer nicht stehen lassen
- Praxisrichtwert: 200 bis 500 g Trockengewicht pro Tag, aufgeteilt auf zwei Mahlzeiten
- Bei größeren Mengen muss die Gesamtration bilanziert werden, insbesondere das Ca:P-Verhältnis

 

Cobs, Pellets und Briketts: Warum die Analyse hier entscheidend ist

Was es ist: Ein Sammelbegriff, kein definiertes Futtermittel. Unter „Cobs" laufen Heucobs, Wiesencobs, Grascobs, Luzernecobs, Esparsettecobs, Grünhafercobs, Timotheefasern und Mischprodukte – teils mit Getreideflocken, Melasse, Öl oder Kräutern.

Das ist der Kernpunkt dieses Kapitels: Ein Pellet sieht aus wie ein Pellet. Du kannst einem gepressten Produkt nicht ansehen, ob es aus spät geschnittenem, faserreichem Wiesengras oder aus melassiertem Grünhafer nach der Milchreife besteht. Die Bandbreite reicht von unter 5 MJ/kg bis über 12 MJ/kg umsetzbarer Energie, von 2 % bis über 25 % Zucker, von 8 % bis 24 % Rohprotein.

Was in der Analyse stehen muss – Mindestumfang:

Parameter Warum er zählt
Trockensubstanz Grundlage jeder Mengenberechnung
Rohfaser Zeigt, ob es sich überhaupt um ein Raufutterprodukt handelt
Rohprotein Entscheidend für Leber-/Nierenbelastung und Eiweißbilanz
pcvXP (dünndarmverdauliches Rohprotein) Der eigentlich aussagekräftige Proteinwert – siehe Erklärbox unten
Zucker und Fruktan Unverzichtbar bei EMS, Cushing, Rehe
Stärke Trennt Raufutter von Kraftfutter
Umsetzbare Energie (MJ/kg) Sonst rechnest du die Ration blind
Calcium, Phosphor, Magnesium Ca:P-Verhältnis der Gesamtration
Spurenelemente (Zn, Cu, Se, Mn) Oft deutlich unter Heu-Niveau
Vollständige Zusammensetzung Melasse, Getreide und Öle sind häufige versteckte Zusätze

Zusätzlich prüfen: hygienischer Status (Schimmelpilze, Hefen, Bakterien), Faserlänge und – falls verfügbar – Mykotoxin- und Pestizidrückstände. Achte darauf, ob die Angaben sich auf Originalsubstanz oder Trockenmasse beziehen; das ist eine häufige Fehlerquelle beim Vergleich.

Vorteile von Cobs generell:
- Standardisierte, meist staubfreie Qualität – ideal bei Equinem Asthma
- Ganzjährig konstant verfügbar, unabhängig vom Erntejahr
- Eingeweicht auch für Senioren mit schlechten Zähnen fressbar
- Als Orientierung kann 1 kg Cobs (trocken gewogen) etwa 1 bis 1,2 kg Heu ersetzen – produktabhängig
- Medikamente lassen sich untermischen, ohne dass das Pferd sie aussortiert

Nachteile und Risiken:
- Fehlende Kaustimulation, sobald das Produkt fein vermahlen und eingeweicht ist. Langfaserige Häcksel und Fasern sind hier deutlich besser als klassische Pellets
- Schlundverstopfungsgefahr bei ungenügendem Einweichen. Einweichzeiten variieren je nach Produkt zwischen etwa 5 und 30 Minuten – halte dich an die Herstellerangabe
- Eingeweichte Ware verdirbt schnell, besonders bei Wärme
- Deutlich teurer als Heu pro kg Trockensubstanz
- Auch Cobs sind vom schlechten Erntejahr betroffen – Rohstoffknappheit schlägt auf Verfügbarkeit und Preis durch

Der Direktvergleich

Futtermittel Rolle Zucker/Stärke Protein Struktur & Kauzeit Hauptrisiko Max. Orientierung
Stroh Strecker sehr niedrig sehr niedrig (pcvXP 6 g/kg TS) hoch Verstopfungskolik, Proteinlücke 1 kg/100 kg KM, besser ⅓ der Heumenge
Heulage Teilersatz variabel mittel–hoch hoch Botulismus, Listeriose Nur mit Analyse, mit 2. Raufutter
Grassilage ungeeignet variabel hoch mittel Botulismus, Fehlgärung Für Pferde nicht empfohlen
Maissilage Energieträger Stärke hoch niedrig sehr gering Stärkeanflutung, Hefen max. 100 g Stärke/100 kg KM je Mahlzeit
Luzerne Ergänzung sehr niedrig sehr hoch mittel–hoch Ca- und Eiweißüberschuss Nach Heuanalyse bilanzieren
Esparsette Ergänzung niedrig hoch mittel–hoch Chargenschwankung Nach Heuanalyse bilanzieren
Timothee Teilersatz niedrig mittel hoch (als Faser) Spurenelement-Unterversorgung Nur mit angepasstem Mineralfutter
Grünhafer Ergänzung erntezeitpunktabhängig mittel mittel–hoch späte Ernte = Zucker-/Stärkefalle Analyse zwingend
Trockenschnitzel Energieträger 5–25 % Zucker niedrig gering Schlundverstopfung 200–500 g TS/Tag
Cobs/Pellets Teilersatz produktabhängig produktabhängig gering–hoch Blackbox ohne Analyse 1 kg ≈ 1–1,2 kg Heu


Wenn die Menge das Problem ist: Heu richtig beschaffen

Bevor es um Ersatz geht, lohnt der Blick auf die Beschaffung. Vier Punkte aus der Praxis:

  • Jahresbedarf möglichst am Stück sichern. Wenn du einen vertrauenswürdigen Produzenten gefunden hast, kaufe den Bedarf für das ganze Jahr – so hast du eine konstante Qualität und musst nicht mitten im Winter auf unbekannte Ware ausweichen. Fehlt die Lagerkapazität, lässt sich oft ein sukzessiver Abruf vereinbaren.
  • Zukauf aus dem Ausland ist unproblematisch. In Dürrejahren ist er oft unvermeidlich und kein Qualitätsnachteil an sich. Fordere einfach die Analyse an – damit ist die Unsicherheit vom Tisch, egal woher das Heu kommt.
  • Bio ist im Zweifel die bessere Wahl, weil im Anbau keine Pestizide eingesetzt werden und damit auch keine Rückstände im Heu landen können.
  • Als Einsteller musst du dich um die Beschaffung in der Regel nicht selbst kümmern – hier liegt die Verantwortung beim Betrieb. Du solltest jedoch die Raufutterqualität stets beobachten und kritisch hinterfragen. 

Und der wichtigste Punkt, der zeitlich alles entscheidet: Plane eine Ergänzung frühzeitig ein – etwa Stroh oder Cobs –, statt zu warten, bis der Vorrat zur Neige geht. Wenn du die Ergänzung über das ganze Jahr verteilst, ersetzt du jeden Tag einen kleinen Anteil. Wartest du dagegen bis zum Schluss, musst du am Ende die gesamte Ration auf einmal umstellen. Das ist gesundheitlich nicht sauber machbar: Der Verdauungstrakt braucht Wochen für jede Umstellung, und ein vollständiger Ersatz der Heuration ist selbst mit guten Produkten kaum verträglich abzubilden.

Rechne deinen Vorrat also lieber im Herbst durch als im Februar.


Bevor du ersetzt: Ist wirklich dein Heu das Problem?

Bevor du Alternativen zukaufst, lohnt ein Blick auf das Heu selbst. Denn die Unterschiede innerhalb der Kategorie „Heu" sind größer, als die meisten annehmen – und sie können darüber entscheiden, ob du überhaupt eine Ergänzung brauchst.

Beim praecaecal verdaulichen Rohprotein liegt durchschnittliches Heu bei etwa 50 g/kg. Heu aus Deutschem Weidelgras kommt dagegen auf rund 82 g/kg – ein Plus von 64 %, und das bei einem reinen Gras, nicht bei einer Leguminose.

Das heißt in der Praxis: Wer ein proteinreiches Grasheu bekommt, muss unter Umständen gar nicht auf Luzerne oder Esparsette ausweichen. Und umgekehrt kann ein sehr spät geschnittenes, überständiges Heu eine Eiweißlücke reißen, die du auch mit großen Mengen nicht schließt – weil du zwar Masse fütterst, aber wenig verwertbares Protein.

Was den Unterschied macht:

  • Grasartenzusammensetzung. Weidelgras, Wiesenlieschgras, Knaulgras und Rotschwingel bringen sehr unterschiedliche Nährstoffprofile mit. Artenreiche Wiesen liefern ein breiteres Spektrum, ertragsstarke Ansaaten oft mehr Protein.
  • Schnittzeitpunkt. Mit fortschreitender Reife lagert die Pflanze Lignin ein, und ein wachsender Anteil des Proteins wird in die Zellwand eingebunden. Der Rohproteingehalt sinkt – der pcvXP-Gehalt sinkt schneller. Zwei Heuchargen mit identisch deklariertem Rohprotein können sich in der Ration deshalb völlig unterschiedlich verhalten.
  • Schnittnummer, Düngung, Standort und Trocknungsverlauf verschieben die Werte zusätzlich.

Die Konsequenz: Ohne Heuanalyse weißt du nicht, ob dein Pferd ein Mengenproblem oder ein Qualitätsproblem hat. Und die beiden Probleme löst man völlig unterschiedlich. Im Rahmen unserer Futterberatung Premium kannst du uns deine Heuanalyse einreichen – wir sagen dir, was dein Heu tatsächlich liefert und was du wirklich ergänzen musst.

Die drei Schwellen: Wann ist Heu nicht mehr tragfähig?

Nicht jeder Mangel ist gleich schwer. Für die Praxis gibt es drei klar unterscheidbare Fälle – und nur zwei davon sind Ausschlusskriterien.

Schwelle 1: Schimmel – absolutes Ausschlusskriterium

Schimmeliges Heu wird nicht verfüttert. Punkt. Es gibt hier keine Restmenge, die noch vertretbar wäre, und kein Abwägen gegen die Heuknappheit. Schimmelpilzsporen belasten die Atemwege direkt, Mykotoxine bleiben auch dann im Futter, wenn der Pilz selbst nicht mehr lebt.

Die Tücke: Nicht jedes verpilzte Heu riecht auch schimmelig. Ein zuverlässigeres Warnsignal sind „rauchende" Staubfahnen, die beim Abwickeln fest gepresster Schichten aufsteigen – das sind Pilzsporen. Solche Ballen gehören verworfen, auch wenn der Geruch unauffällig ist. Weitere Alarmzeichen: weißliche, schwarze, blaue oder gelbe Verfärbungen, muffiger oder faulig-stechender Geruch, warme Stellen im Ballen, Verklumpungen.

Hinweis: Auch Heu, das Giftpflanzen wie Herbstzeitlose enthält, darf nicht verfüttert werden! 

Schwelle 2: Zucker über 12 % – Ausschluss auch für gesunde Pferde

Der zweite harte Grenzwert betrifft den Gesamtglucosegehalt. Alle Werte beziehen sich auf die Trockensubstanz – so, wie es die Futtermittellabore ausweisen.

Pferdetyp Zielwert (% der TS) Bewertung
Gesundes Pferd, ideal unter 8 % uneingeschränkt geeignet
Gesundes Pferd, Obergrenze bis 12 % vertretbar, aber nicht optimal
Gesundes Pferd über 12 % nicht geeignet
Stoffwechselempfindliches Pferd (EMS, Cushing, Reheneigung) unter 6 % strenger Maßstab, Analyse zwingend

Und jetzt der Realitätsabgleich: Die LUFA Nord-West wertet jedes Jahr über tausend Heuproben aus. In der Auswertung 2025 (n = 1.187) lag der mittlere Gesamtzuckergehalt bei 10,6 % der Trockensubstanz, die Spannweite reichte von 4,8 bis 17,3 %. Der Fruktananteil lag im Mittel bei 6,7 %.

Und das ist kein Ausreißerjahr. Über sechs Jahre hinweg bewegt sich der Mittelwert konstant um oder über 10 %:

Jahr Gesamtzucker (% der TS) Fruktan (% der TS)
2020 9,6 6,1
2021 9,0 5,3
2022 10,3 6,8
2023 11,6 6,2
2024 10,6 6,1
2025 10,6 6,7

Die LUFA selbst gibt als Zielwert für Pferdeheu unter 10 % Gesamtzucker und unter 5 % Fruktan an. Beide Zielwerte werden im Durchschnitt seit Jahren verfehlt.

Gut zu wissen: Fruktan wird normalerweise extra angegeben und bei den meisten Laboren nicht zum Gesamtzuckergehalt gerechnet. Der Grund dafür liegt in der Verdaulichkeit des Fruktans. 

Was das für dich bedeutet: Durchschnittliches Heu liegt in Deutschland oberhalb der Idealmarke von 8 % – es ist fütterbar, aber nicht optimal. Ein Teil der Proben überschreitet sogar die 12-%-Grenze. Und für ein Pferd mit EMS oder Reheneigung, das unter 6 % bräuchte, ist durchschnittliches Heu rechnerisch schlicht ungeeignet: Selbst das untere Ende der Spannweite liegt mit 4,8 % nur knapp darunter.

Wer also ein stoffwechselempfindliches Pferd hat und ohne Analyse füttert, füttert mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel Zucker – ohne es zu wissen.

Schwelle 3: Wenig Protein – kein Ausschluss, sondern ein Rechenfall

Ein niedriger Proteingehalt ist etwas völlig anderes als Schimmel oder Zuckerüberschuss. Er macht das Heu nicht ungeeignet – er macht eine gezielte Ergänzung nötig. Genau dafür gibt es Leguminosen wie Luzerne und Esparsette.

Der Haken ist ein anderer: Du siehst es dem Heu nicht an. Schimmel kannst du riechen, Staub kannst du sehen, grobe Struktur kannst du fühlen. Einen Proteinmangel erkennst du erst, wenn dein Pferd Muskulatur abbaut, das Fell stumpf wird oder die Hufqualität nachlässt – also Monate zu spät. In der LUFA-Auswertung 2025 lag der Rohproteingehalt im Mittel bei 7,6 % der Trockensubstanz, mit einer Spannweite von 4,2 bis 13,3 %. Zwischen dem schlechtesten und dem besten Heu liegt damit mehr als das Dreifache. Beim praecaecal verdaulichen Rohprotein lag der Mittelwert bei 4,5 % der TS, bei einer Spannweite von 2,7 bis 7,7 %.

Die Entscheidungsregel in einem Satz: Schimmel und Zucker über 12 % entscheiden darüber, ob du dieses Heu überhaupt füttern darfst. Alles andere entscheidet nur darüber, was du dazu füttern musst.

 

Qualität schlägt Menge – bei jeder Alternative

Egal, welchen Weg du wählst: Die Qualität entscheidet über den gesundheitlichen Ausgang. Ein schlechtes Ersatzfuttermittel richtet mehr Schaden an als eine knappe, aber saubere Heuration.

Schimmelpilze, Hefen und Mykotoxine

Schimmelpilzsporen belasten die Atemwege und können Equines Asthma auslösen oder verschlimmern. Ihre Stoffwechselprodukte – Mykotoxine – belasten Leber und Immunsystem und sind auch dann noch vorhanden, wenn der Pilz selbst abgetötet wurde. Kritisch sind vor allem feuchte Erntebedingungen, Nacherwärmung im Ballen, Anschnittflächen bei Silagen und feuchte Lagerung von Cobs.

Woran du es erkennst: muffiger, stechender oder süßlich-gärender Geruch, graue oder weiße Beläge, Staubwolken beim Auflösen des Ballens, Verklumpungen, warme Stellen im Ballen.

Pestizid- und Schadstoffrückstände

Bei zugekauftem Futter aus dem Ausland, aus Ackerkulturen oder aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie lohnt der Blick auf Rückstandsanalysen. Auch Schwermetalle und – bei Flächen mit entsprechendem Bewuchs – Pyrrolizidinalkaloide aus Beikräutern wie Jakobskreuzkraut sind ein Thema. Gerade in Dürrejahren, wenn Grasnarben lückig werden, breiten sich Giftpflanzen auf Wiesen stärker aus.

Erdanteil

Nach Überschwemmungen und bei zu tiefem Schnitt gelangt Erde ins Erntegut. Das ist die zentrale Eintragsquelle für Clostridien und Listerien bei silierten Futtermitteln – und bei trockenem Raufutter der Auslöser für Sandkoliken.

Die drei Stellschrauben: Zucker, Protein, Energie

Jedes Ersatzfuttermittel verschiebt mindestens eine dieser drei Größen – meist alle drei gleichzeitig.

  • Zucker und Fruktan. Für Pferde mit EMS, Cushing oder Reheneigung ist der Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten das entscheidende Auswahlkriterium. Melassierte Produkte, spät geernteter Grünhafer und zuckerreiche Rübenschnitzel scheiden hier aus.
  • Protein. Zu wenig führt zu Muskelabbau, schlechter Huf- und Fellqualität und geschwächter Immunabwehr. Zu viel belastet Leber und Nieren, erhöht den Wasserbedarf und verschlechtert das Stallklima. Leguminosen kippen die Bilanz schnell nach oben.

Rohprotein ist nicht gleich nutzbares Protein

Auf jedem Futtersack steht „Rohprotein". Diese Zahl sagt aber nur, wie viel Eiweiß insgesamt enthalten ist – nicht, wie viel davon dein Pferd tatsächlich für Muskulatur, Huf und Fell verwerten kann.

Entscheidend ist das praecaecal verdauliche Rohprotein (pcvXP), auch dünndarmverdauliches Rohprotein genannt. Nur Protein, das im Dünndarm zu Aminosäuren aufgespalten und aufgenommen wird, steht dem Pferd als Baustoff zur Verfügung. Protein, das fest in der Zellwand an der Rohfaser gebunden ist, kommt dort nicht an – es wird erst im Dickdarm mikrobiell aufgeschlossen und dient dann nur noch der Energiegewinnung.

Die praktische Konsequenz: Je rohfaserreicher ein Futtermittel, desto stärker klafft Rohprotein und pcvXP auseinander. Bei nativem Heu liegt die praecaecale Verdaulichkeit des Rohproteins im Mittel bei rund 56 % – bei sehr spät geschnittenem, holzigem Heu deutlich darunter. 

So weit liegen die Futtermittel auseinander:

Futtermittel Rohprotein (g/kg TS) pcvXP (g/kg TS) Praecaecal verdaulich
Stroh 28–35 6 ca. 19 %
Heu, allgemein 87 50 57 %
Trockenschnitzel, melassiert 95 62 65 %
Heulage 77 42 54 %
Esparsettenheu 139 95 68 %
Luzerneheu, getrocknet 157 111 70 %

Werte nach Coenen, Vervuert, 2020, bezogen auf die Trockensubstanz.

Drei Dinge lassen sich hier ablesen. Erstens: Zwischen durchschnittlichem Heu und Luzerneheu liegt beim verwertbaren Protein mehr als das Doppelte. Zweitens: Bei den Leguminosen wird nicht nur mehr Protein geliefert, es wird auch ein größerer Anteil davon im Dünndarm verwertet – 68 bis 70 % gegenüber rund 57 % bei Heu. Der Vorsprung entsteht also doppelt.

Drittens, und das ist der wichtigste Punkt für die Praxis: Stroh fällt völlig aus der Reihe. Mit 6 g/kg liefert es rund ein Achtel dessen, was durchschnittliches Heu bringt – und die praecaecale Verdaulichkeit liegt bei nur etwa 19 %. Das wenige Protein im Stroh ist also fast vollständig in der Zellwand gebunden und für den Dünndarm unerreichbar. Als Streckmittel für Fresszeit und Struktur ist Stroh sinnvoll, als Proteinquelle liefert es praktisch nichts.

Zur Einordnung: Die LUFA Nord-West misst in ihrer Auswertung 2025 im Durchschnittsheu 4,5 % pcvXP der Trockensubstanz, also 45 g/kg – die Praxiswerte decken sich damit gut mit den Tabellenwerten.

Was dein Pferd tatsächlich braucht – und was die Ration liefert

Zahlen zum Angebot sind nur die halbe Miete. Erst im Vergleich mit dem Bedarf wird daraus eine Aussage.

Nach den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE 2014) benötigt ein 600 kg schweres Pferd bei leichter Arbeit rund 364 g praecaecal verdauliches Rohprotein pro Tag.

Rechnen wir eine typische Ration von 10 kg Heu durch. Bei rund 88 % Trockensubstanz sind das 8,8 kg TS:

Szenario pcvXP-Aufnahme Deckung des Bedarfs
10 kg durchschnittliches Heu (50 g/kg TS) 440 g 121 % – gedeckt
10 kg nährstoffarmes Heu (27 g/kg TS) 238 g 65 % – deutliche Lücke
6,7 kg Heu + 3,3 kg Stroh (Heu durchschnittlich) 312 g 86 % – Unterdeckung
6,7 kg Heu + 3,3 kg Stroh (Heu nährstoffarm) 176 g 48 % – massive Lücke

Der Wert von 27 g/kg TS entspricht dem unteren Ende der LUFA-Spannweite 2025 (2 %-Perzentil).

Was du daraus mitnehmen kannst: Gutes Heu in ausreichender Menge deckt den Proteinbedarf eines leicht gearbeiteten Pferdes problemlos. Sobald aber eine der beiden Bedingungen wegfällt – zu wenig Heu oder zu schlechtes Heu –, kippt die Bilanz schnell. Und wenn du ausgerechnet mit Stroh streckst, verstärkst du das Problem, weil du Masse gegen ein Futtermittel tauschst, das praktisch kein verwertbares Protein liefert.

Das heißt nicht, dass Stroh falsch ist – für Fresszeit und Struktur ist es weiterhin sinnvoll. Es heißt, dass Stroh allein nicht reicht und eine Proteinquelle danebengehört.

Zum Rechenweg: Das sind Orientierungswerte für ein 600-kg-Pferd bei leichter Arbeit. Der tatsächliche Bedarf hängt von Alter, Leistung, Trächtigkeit und Gesundheitszustand ab – bei Zuchtstuten, Jungpferden und im Muskelaufbau liegt er deutlich höher.

Auch die Verarbeitung spielt hinein: Hitzeeinwirkung kann Protein für den Dünndarm unzugänglich machen. Beim Bedampfen von Heu etwa sank die praecaecale Proteinverdaulichkeit in einer Untersuchung von 56 % auf 35 %, das praecaecal verdauliche Lysin um 54 %.

Wenn du Angebote vergleichst, frag deshalb nach dem pcvXP-Wert – nicht nur nach dem Rohprotein. Genau mit diesem Wert rechnen wir bei Carevallo deine Ration. - Energie. Wer Heu durch energiereiche Cobs ersetzt, füttert bei gleicher Menge deutlich mehr Kalorien. Bei leichtfuttrigen Pferden führt das rasch zu Übergewicht – und Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor für EMS und Hufrehe.

Ohne Heuanalyse rechnest du blind. Erst wenn du weißt, was dein Heu liefert, kannst du beurteilen, was die Ergänzung liefern muss. Gerne werten wir deine Heuanalyse für dich aus.

 

Dein Fahrplan bei Heumangel: Schritt für Schritt

  1. Bestand und Bedarf rechnen. Körpermasse × 1,5 bis 2 kg je 100 kg = Tagesbedarf. Vorrat durch Tagesbedarf teilen – so weißt du, wie viele Tage du überbrücken musst. Mach das früh im Herbst, nicht erst im Spätwinter.
  2. Ergänzung von Anfang an einplanen. Wenn absehbar ist, dass das Heu nicht reicht, verteile die Ergänzung über die gesamte Saison, statt am Ende alles auf einmal umstellen zu müssen.
  3. Heuqualität sichern, bevor du streckst. Lieber eine kleinere Menge einwandfreies Heu als eine große Menge belastete Ware.
  4. Struktur zuerst ersetzen, dann Nährstoffe. Beginne mit strukturgebenden Optionen (Stroh, Timotheefasern, langfaserige Häcksel), nicht mit Pellets.
  5. Fresspausen kontrollieren. Kleinere Portionen häufiger, engmaschige Heunetze, mehrere Fressstellen. Ziel: keine Pause über 4 Stunden.
  6. Langsam umstellen. Jede Änderung des Raufutters über mindestens 2 bis 3 Wochen einschleichen, damit sich die Darmflora anpassen kann. Bei Heulage eher länger.
  7. Wasser sicherstellen. Faserreiche und eingeweichte Rationen verändern den Wasserhaushalt. Im Winter angewärmtes Wasser fördert die Aufnahme.
  8. Analysen einholen. Heuanalyse plus Produktanalysen aller Ergänzungen.
  9. Ration neu bilanzieren. Und zwar vollständig – dazu gleich mehr.
  10. Beobachten. Kotkonsistenz, Kotwasser, Gewicht, Fell, Leistungsbereitschaft, Fresslust. Veränderungen sind Frühwarnsignale.

Der Punkt, den fast alle vergessen: Die Ergänzung muss mitwandern

Hier liegt der häufigste und folgenreichste Fehler bei Heumangel.

Du tauschst einen Teil deines Heus gegen Stroh, Luzernecobs und Timotheefasern. Damit hast du in einem Zug verändert:

  • den Rohprotein-Gehalt der Gesamtration – über die Luzerne nach oben, über das Stroh nach unten
  • das Calcium-Phosphor-Verhältnis – Luzerne und Trockenschnitzel schieben es Richtung Calcium
  • die Spurenelementversorgung – Timothee liefert weniger Zink, Kupfer, Selen und Mangan als Wiesenheu, Stroh nahezu nichts
  • den Energiegehalt – je nach Produkt nach oben oder unten
  • den Zucker- und Stärkegehalt – kritisch für alle stoffwechselempfindlichen Pferde
  • die Vitaminversorgung – Beta-Carotin und Vitamin E fallen bei überlagertem oder ersetztem Raufutter deutlich ab

Ein Mineralfutter, das zu deiner alten Heuration gepasst hat, passt danach nicht mehr. Es kann zu Überschüssen führen, wo die neue Ration bereits liefert – und Lücken offen lassen, wo sie es nicht tut. Beides ist ein Problem: Ein Zinküberschuss beeinträchtigt die Kupferaufnahme, ein Calciumüberschuss die Phosphorverfügbarkeit.

Heu deckt den Bedarf ohnehin nicht – auch ohne Heumangel

Hier lohnt ein Blick auf die harten Zahlen, denn sie überraschen die meisten Pferdebesitzer. Die LUFA Nord-West hat 2025 die Mineralstoff- und Spurenelementgehalte von 473 Heuproben ausgewertet und den Mittelwerten die Zielwerte für Pferdeheu gegenübergestellt:

Nährstoff Mittelwert 2025 Zielwert Bewertung
Zink 24 mg/kg TS 50–200 weniger als die Hälfte des Mindestwerts
Selen 0,05 mg/kg TS 0,15–0,50 rund ein Drittel des Mindestwerts
Kupfer 4,5 mg/kg TS 6–15 unter dem Mindestwert
Phosphor 0,19 % der TS über 0,25 unter dem Zielwert
Natrium 0,08 % der TS über 0,10 unter dem Zielwert
Calcium 0,40 % der TS 0,35–0,70 im Zielbereich
Magnesium 0,15 % der TS 0,15–0,40 am unteren Rand

Und auch das ist kein Ausreißerjahr: Zink liegt seit 2020 durchgängig zwischen 24 und 28 mg/kg, Kupfer zwischen 4,1 und 5,1 mg/kg – also jedes Jahr unter dem Zielbereich.

Was daraus folgt: Durchschnittliches Heu deckt den Bedarf deines Pferdes an Zink, Kupfer und Selen nicht annähernd – und zwar völlig unabhängig davon, ob gerade Heumangel herrscht. Es liefert reichlich Kalium und meist genug Calcium, aber genau die Spurenelemente, die für Immunsystem, Huf- und Fellqualität, Muskelstoffwechsel und Enzymfunktionen entscheidend sind, fehlen systematisch.

Wenn du jetzt zusätzlich einen Teil deines Heus durch Stroh (nahezu spurenelementfrei) oder Timothee (Spurenelemente unter Heu-Niveau) ersetzt, vergrößert sich diese Lücke weiter. Umgekehrt bringen Luzerne und Trockenschnitzel zusätzliches Calcium in eine Ration, die davon meist schon genug hat.

Genau deshalb ist die Ergänzung kein Zubehör, sondern der Teil der Ration, der die Versorgung überhaupt erst sicherstellt – und deshalb muss sie mitwandern, wenn sich das Raufutter ändert.

Genau dafür gibt es Carevallo

Wir sind der einzige Futtermittelhersteller im DACH-Raum, der vollständig individualisierte Futtermischungen für jedes einzelne Pferd herstellt – inklusive aller Mineralstoffe, Vitamine, Aminosäuren und Zusätze, direkt in Tirol produziert.

Das heißt für dich in einer Situation wie dieser:

  • Wir berechnen deine Ration auf Basis deines tatsächlichen Raufutters – inklusive Heuanalyse und aller Ergänzungen, die du einsetzen musst.
  • Ändert sich deine Raufutterbasis, passen wir deine Mischung an. Du bekommst kein Standardprodukt, sondern eine Rezeptur, die zu deiner aktuellen Situation passt.
  • Du brauchst keine weiteren Zusatzfuttermittel. Alles, was dein Pferd zusätzlich zum Raufutter braucht, ist in einem Sack. Das erspart dir das Rätselraten, ob sich einzelne Ergänzungen gegenseitig blockieren.
  • Wir sagen dir auch, wenn eine Alternative für dein Pferd nicht geeignet ist – etwa Trockenschnitzel bei Reheneigung oder Luzerne bei bereits calciumreicher Ration.

 

So funktioniert's  

Ein Hinweis, der uns wichtig ist: 
Individualisiertes Futter ersetzt keine tierärztliche Behandlung und keine Medikamente. Es sorgt dafür, dass die Nährstoffversorgung stimmt – auch dann, wenn dein Raufutter nicht ideal ist.


Häufige Fragen zu Heuersatz beim Pferd

Kann ein Pferd ganz ohne Heu leben?

Nein, nicht ohne Raufutterersatz. Das Pferd braucht kontinuierlich strukturierte Rohfaser für Dickdarmflora, Speichelbildung und Magenschutz. Wenn kein Heu verfügbar ist, muss die Faserversorgung über andere strukturreiche Futtermittel wie Heucobs, langfaserige Häcksel, Timotheefasern oder Heulage sichergestellt werden – und die Ration muss vollständig neu bilanziert werden.

Ab wann darf ich mein Heu nicht mehr füttern?

Es gibt zwei harte Ausschlusskriterien. Erstens Schimmel – schimmeliges Heu wird nicht verfüttert, unabhängig von der Menge und unabhängig davon, wie knapp das Heu gerade ist. Achte dabei besonders auf „rauchende" Staubfahnen beim Abwickeln, denn nicht jedes verpilzte Heu riecht auch schimmelig. Zweitens ein Gesamtglucosegehalt über 12 %, der auch für gesunde Pferde nicht mehr vertretbar ist. Ideal liegt der Wert für gesunde Pferde unter 8 %, für stoffwechselempfindliche Pferde mit EMS, Cushing oder Reheneigung unter 6 %. Ein niedriger Proteingehalt ist dagegen kein Ausschlusskriterium, sondern lässt sich über gezielte Ergänzung ausgleichen – er muss nur erst einmal erkannt werden.

Wie viel Zucker hat durchschnittliches Heu?

In der Auswertung von 1.187 Heuproben durch die LUFA Nord-West lag der mittlere Gesamtzuckergehalt 2025 bei 10,6 % der Trockensubstanz, bei einer Spannweite von 4,8 bis 17,3 %. Der Wert liegt seit Jahren konstant um oder über 10 % und verfehlt damit auch den LUFA-Zielwert von unter 10 %. Durchschnittliches Heu liegt somit über der Idealmarke von 8 % für gesunde Pferde und deutlich über den 6 %, die für stoffwechselempfindliche Pferde gelten. Ohne Heuanalyse lässt sich nicht beurteilen, wo die eigene Charge in dieser Spanne liegt.

Wie viel Stroh darf ich statt Heu füttern?

Maximal 1 kg je 100 kg Körpermasse pro Tag – das ist die Obergrenze, nicht die Empfehlung. Praxisnah solltest du höchstens ein Drittel der Heumenge durch Stroh ersetzen. Darüber steigt das Risiko für Verstopfungskoliken deutlich, weil Stroh nur zu etwa 35 % verdaulich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Heulage und Silage?

Der Trockensubstanzgehalt. Heulage wird mit etwa 50 bis 70 % Trockensubstanz konserviert, klassische Grassilage mit unter 35 %. Je feuchter das Siliergut, desto höher das Risiko für Clostridien und damit für Botulismus. Heulage kann bei einwandfreier Qualität an Pferde verfüttert werden, klassische Grassilage gilt als ungeeignet.

Können Heucobs Heu vollständig ersetzen?

Nur eingeschränkt. Rechnerisch ersetzt 1 kg trocken gewogene Cobs etwa 1 bis 1,2 kg Heu. Was fehlt, ist die Kaustimulation: Eingeweichte, fein vermahlene Cobs werden kaum gekaut, dadurch fehlen Speichelfluss und Fresszeit. Langfaserige Produkte sind hier deutlich besser als klassische Pellets. Bei gesunden Pferden sollte immer ein Teil der Ration aus strukturiertem Langfaserfutter bestehen.

Sind unmelassierte Rübenschnitzel automatisch zuckerarm?

Nein. „Unmelassiert" bedeutet nur, dass keine Melasse zugesetzt wurde. Der natürliche Zuckergehalt der Zuckerrübe schwankt sorten- und ernteabhängig etwa zwischen 5 und 20 %. Für Pferde mit EMS oder Reheneigung brauchst du eine produktspezifische Zuckeranalyse, keine Produktbezeichnung.

Welche Heualternative eignet sich bei EMS oder Hufrehe?

Vorrangig zucker- und stärkearme Optionen: Timotheefasern, Stroh in kontrollierter Menge, Luzerne oder Esparsette in bilanzierten Mengen und Grünhafer aus früher Ernte. Entscheidend ist immer die produktspezifische Analyse der wasserlöslichen Kohlenhydrate, nicht die Produktkategorie. Melassierte Produkte, Maissilage und zuckerreiche Rübenschnitzel scheiden aus.

Wie lange dauert die Umstellung auf ein anderes Raufutter?

Mindestens 2 bis 3 Wochen, bei Heulage eher länger. Die Dickdarmflora braucht Zeit, sich an ein verändertes Faser- und Nährstoffangebot anzupassen. Zu schnelle Umstellungen führen zu Kotwasser, Blähungen und im Extremfall zu Koliken.

Soll ich Heu für das ganze Jahr auf Vorrat kaufen?

Wenn du einen vertrauenswürdigen Produzenten und ausreichend Lagerkapazität hast: ja. Du sicherst dir damit eine konstante Qualität und musst nicht mitten im Winter auf unbekannte Ware ausweichen. Fehlt der Lagerplatz, lässt sich häufig ein sukzessiver Abruf vereinbaren. Zukauf aus dem Ausland ist dabei unproblematisch, solange du die Analyse anforderst. Wichtiger als der Vorrat selbst ist aber, eine mögliche Ergänzung frühzeitig einzuplanen und über das Jahr zu verteilen, statt am Ende die gesamte Ration auf einmal umstellen zu müssen.

Was ist der Unterschied zwischen Rohprotein und dünndarmverdaulichem Rohprotein?

Rohprotein gibt den gesamten Eiweißgehalt eines Futtermittels an. Praecaecal verdauliches Rohprotein (pcvXP) beschreibt nur den Anteil, der im Dünndarm zu Aminosäuren aufgespalten und aufgenommen werden kann – und nur dieser Anteil steht dem Pferd als Baustoff für Muskulatur, Huf und Fell zur Verfügung. Protein, das in der Zellwand an die Rohfaser gebunden ist, erreicht den Dünndarm ungenutzt und dient erst im Dickdarm der Energiegewinnung. Je rohfaserreicher und je später geschnitten ein Futtermittel, desto größer der Unterschied. Zur Orientierung, jeweils bezogen auf die Trockensubstanz: Durchschnittliches Heu enthält 87 g/kg Rohprotein, wovon etwa 50 g/kg praecaecal verdaulich sind (rund 57 %). Bei Esparsettenheu sind es 139 zu 95 g/kg (68 %), bei Luzerneheu 157 zu 111 g/kg (70 %).

Wie viel Protein braucht mein Pferd am Tag?

Nach den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE 2014) benötigt ein 600 kg schweres Pferd bei leichter Arbeit rund 364 g praecaecal verdauliches Rohprotein pro Tag. Zehn Kilogramm durchschnittliches Heu liefern etwa 440 g und decken den Bedarf damit. Bei nährstoffarmem Heu oder wenn ein Teil der Ration durch Stroh ersetzt wird, kippt die Bilanz jedoch schnell: Eine Ration aus zwei Dritteln Heu und einem Drittel Stroh kommt je nach Heuqualität nur noch auf 48 bis 86 % des Bedarfs. Bei Zuchtstuten, Jungpferden und im Muskelaufbau liegt der Bedarf zusätzlich deutlich höher.

Hat mein Heu genug Eiweiß, oder brauche ich Luzerne?

Das lässt sich ohne Heuanalyse nicht beantworten – und der Unterschied ist groß. Durchschnittliches Heu liefert rund 50 g praecaecal verdauliches Rohprotein je kg, Heu aus Deutschem Weidelgras dagegen etwa 82 g/kg. Bei einem proteinreichen Grasheu kann eine zusätzliche Luzernegabe daher überflüssig sein und sogar zu Eiweiß- und Calciumüberschüssen führen, während bei spät geschnittenem, überständigem Heu selbst große Futtermengen die Lücke nicht schließen.

Deckt Heu allein den Nährstoffbedarf meines Pferdes?

Nein. Nach der LUFA-Auswertung 2025 liegt durchschnittliches Heu bei Zink mit 24 mg/kg Trockensubstanz bei weniger als der Hälfte des Zielwerts von 50 bis 200 mg/kg, bei Selen mit 0,05 mg/kg bei rund einem Drittel des Mindestwerts und bei Kupfer mit 4,5 mg/kg unter dem Zielbereich von 6 bis 15 mg/kg. Auch Phosphor und Natrium liegen unter den Zielwerten. Diese Lücken bestehen unabhängig von Heumangel und müssen über eine abgestimmte Ergänzung geschlossen werden.

Muss ich mein Mineralfutter anpassen, wenn sich das Raufutter ändert?

Ja, unbedingt. Jede Änderung der Raufutterbasis verschiebt Protein-, Mengen- und Spurenelementbilanz sowie den Energie- und Zuckergehalt der Gesamtration. Ein Mineralfutter, das zur alten Ration passte, kann danach Überschüsse erzeugen und gleichzeitig Lücken offen lassen. Deshalb sollte die Ergänzung immer gemeinsam mit dem Raufutter neu berechnet werden.


Fazit

Eine echte Alternative zu Heu gibt es nicht. Aber es gibt gute Strategien, um eine knappe Heuernte zu überbrücken, ohne die Gesundheit deines Pferdes zu gefährden.

Die drei Regeln, die dabei zählen:

  1. Struktur ist wichtiger als Kalorien. Ersetze zuerst Kauzeit und Faser, dann Energie.
  2. Qualität vor Menge. Ein belastetes Ersatzfutter kostet dich mehr, als es einbringt.
  3. Ändert sich das Raufutter, ändert sich die Ergänzung. Ohne diese Anpassung entstehen genau die Mängel, die du eigentlich vermeiden wolltest.

Wenn du unsicher bist, welche Kombination für dein Pferd passt: Sprich mit uns. Wir rechnen deine Ration durch – auf Basis deines Heus, deiner verfügbaren Alternativen und der Bedürfnisse deines Pferdes.


Quellen und weiterführende Literatur

  • Coenen, M.; Vervuert, I.: Pferdefütterung, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag
  • Meyer, H.; Coenen, M.: Pferdefütterung, 5. Auflage
  • Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE, 2014): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden
  • Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK): Trockenheit als Herausforderung für Wasserversorgung, Landwirtschaft und Wälder, 2026
  • KeyQUEST Marktforschung: Erhebung zu Ernteverlusten durch Trockenheit, Österreich 2026
  • Österreichische Hagelversicherung: Schadensbilanz Dürre 2026
  • LKV Sachsen / LKS mbH: Silage in der Pferdefütterung, 2024
  • Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg: Mythos oder Fakt? Heulage für Pferde
  • LUFA Nord-West, Institut für Futtermittel, Oldenburg: Inhaltsstoffe, Energiegehalte sowie Mineralstoff- und Spurenelementgehalte Heu 2020–2025 (Auswertung 2025: n = 1.187 bzw. n = 473, Stand 16.09.2025)
  • VFD – Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland, Arbeitskreis Umwelt (2010): Pferd und Heu. Ein Handbuch für Pferdehalter und Heuproduzenten
  • Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln